Beiträge von Melzer

    Noch meine Gedanken zum Frankfurter "Tannhäuser", den ich nicht gesehen habe, aber andere Arbeiten des Regisseurs sind mir bekannt. So schlüssig die Frankfurter Inszenierung des "Tannhäuser" auch sein mag – übrigens die dritte Homo-Variante der jüngeren Zeit nach Schwerin und Košice –, für mich bleibt sie ein Etikettenschwindel. Inszenierungen dieser Art sind für mich nichts weiter als "Bearbeitungen", wie auch der aktuelle "Holländer" in Bayreuth. Dass die Vorstellungen in Frankfurt ausverkauft sind, ist für mich nur ein relativer Gradmesser. Frankfurt hat längst kein ausgewiesenes Fachpublikum mehr und eine solche Produktion ist auch ein Ausdruck des Zeitgeistes. Mit den Intentionen Wagners hat das recht wenig zu tun.

    Dieser "Tannhäuser" mag in unsere Zeit passen, und Wild ist zweifellos ein geschickter Handwerker auf der Bühne. Doch ähnlich wie viele Regisseure heute, konzentriert auch er sich auf Aktualisierungen. Für mich jedoch bieten diese keinen Erkenntnisgewinn. Ich sehne mich nach einer anderen Herangehensweise. Warum wohl haben Wagner, Verdi und Puccini – um nur einige zu nennen – so präzise in die Partituren geschrieben, was sie szenisch umgesetzt sehen wollten? Das bedeutet für mich nicht, dass alles 1:1 abgebildet werden muss, aber ich bin überzeugt, dass, wenn eine Zeitlosigkeit beabsichtigt gewesen wäre, wir dies in den Partituren finden würden, etwa als Angabe: "Zeit der Handlung: Gegenwart."

    Für mich sind diese Aktualisierungen "Mogelpackungen", die dem Werk misstrauen und zudem eine kreative Bankrotterklärung darstellen. Es ist durchaus möglich, auch für historische oder mystische Kontexte eine adäquate Bildsprache zu finden, die das Werk in seiner ursprünglichen Intention erkennbar belässt, ohne es angestaubt wirken zu lassen. Ein gelungenes Beispiel dafür ist für mich die aktuelle "Rheingold"-Produktion in Erfurt.

    👍

    Ich dachte eigentlich eher an den 90. Jahrestag der „Nacht der langen Messer“… In diesen Kreisen hat es doch Tradition, sich gegenseitig alle zu machen

    Ah okay, DIESER 30. Juni. Würde ja auch in sofern passen, dass Höcke dem Vernehmen nach das eigene Geschlecht bevorzugt. Wie auch immer: sie müssen sich ja nicht gegenseitig an die Gurgel, es würde reichen, wenn sie einfach in der Versenkung verschwinden würden.


    Och, wenn es sich von den Zahlen her ausgeht, wird die CDU nur zu bereit sein, die Thüringer Tradition aufrechtzuerhalten…

    Das dürfte dann allerdings den Untergang der CDU einleiten.

    Ein besonderes Vergnügen ist es ja, sich mit den „kulturpolitischen“ (hüstel…) Vorstellungen der AfD zu befassen. Mal sehen, ob es in Thüringen unter Ministerpräsident Höcke ein Verbot des Regietheaters und eine Wiederbelebung der Thingspiele gibt…

    Die sind ja gerade dabei, sich selbst zu zerlegen:


    https://www.faz.net/aktuell/po…-von-hoecke-19725267.html


    Wir wollen ihnen dabei viel Erfolg wünschen.

    Tickets für rund 5.800 EUR zu haben, bei dem Auftritt in Frankfurt am Main noch Tickets im Rahmen von 174- 829 EUR. Wovon wird hier eigentlich gesprochen, wenn hohe Eintrittspreise für Bayreuth kritisiert werden?

    Ich war mir nicht bewusst, dass bei derlei Veranstaltungen solche Preise aufgerufen werden. Das relativiert das ganze natürlich etwas.

    Ein Problem was ich aber schon sehe ist, dass es durch den doch recht happigen Eintrittspreis automatisch einige ausschließt.

    Das ist zweifellos richtig. Es gilt, Bayreuth (auch) für diejenigen zugänglich zu machen, die ein echtes Interesse an den Aufführungen haben, sich dieser aber nicht leisten können oder wollen. Ob diese irgendeiner tatsächlich oder vermeintlich benachteiligten Minderheit angehören, spielt keine Rolle.

    Die Dame scheint vornehmlich in ihrer eigenen ideologisch geprägten Innenwelt zu leben und diese dann wortreich und schrill auf die Außenwelt zu projizieren.

    Die ist vor allem mit ideologischen Scheuklappen und Denkschablonen unterwegs.

    Die FAZ zur Vertragsverlängerung von Katharina Wagner:


    https://www.faz.net/aktuell/fe…-festspiele-19721749.html


    Daraus:


    "Claudia Roth, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, ließ hingegen schon zum Jahreswechsel verlauten, dass sie Mehrzuwendungen des Bundes für Bayreuth nicht nur von Strukturreformen in der Leitung abhängig mache, sondern auch beim Publikum mehr Diversität fordere: „Auch bei den Besucherinnen und Besuchern von Bayreuth sollte sich die Realität unserer Gesellschaft stärker widerspiegeln.“ Da gebe es einen „Nachholbedarf“.

    Abgesehen davon, dass solch eine Forderung anmaßend und übergriffig ist, finden sich im Publikum der Bayreuther Festspiele mit Gästen aus Japan, Israel, Australien, Frankreich und den Vereinigten Staaten, mit seinen britischen Männerpärchen und schwedischen Frauengruppen, mit flamboyanten Einzelgästen unbestimmbaren ­Geschlechts, mit fränkischen Metzgerstöchtern und hanseatischen Jungstudenten vermutlich eine größere Buntheit und Vielfalt als im Parteivorstand der Grünen. Zudem taucht ja, ganz praktisch, die Frage auf, wie man diese „Diversität“ überhaupt durchsetzen will. Muss man bei der Kartenbestellung jetzt Fragebögen zur sexuellen Orientierung ausfüllen? Gibt es mehr als zwei Karten allenfalls bei Vorlage eines standesamtlichen Migrationsnachweises? Ist der Besuch des Venusberges nur in Begleitung von Kindern unter 14 Jahren gestattet? Darf man „Tristan und Isolde“ ausschließlich mit gültigem Mitgliedsausweis eines Cannabis-Klubs besuchen? Die ministeriale Forderung nach einem „diverseren“ Publikum kommt der Empfehlung Bertolt Brechts nach dem Aufstand des 17. Juni 1953 nahe, die Regierung der DDR möge sich doch ein anderes Volk wählen."


    ^^ ^^

    Aber vielleicht wäre ein klarerer Schnitt besser gewesen, vor allem mit Blick auf die künstlerische Entwicklung in der Zukunft.

    Aber wer wäre anstatt ihrer in Frage gekommen? Ich kenne mich in der Branche nicht aus. Hätte es ernst zu nehmende Kandidaten gegeben?