Beiträge von Sonnambula

    Lieber Hagen, die Besetzung sagt mir zwar nichts, aber wenn die Sänger Sie zu Tränen gerührt haben, müssen sie einfach gut gewesen sein. Emmanuelle Häim ist eine äusserst temperamentvolle Barock-Dirigentin. Ich erlebe sie seit 25 Jahren live mit fulminanten Aufführungen und ganz besonders gut ist sie bei Händel und bei der Auswahl der Sänger-ich verdanke ihr die herrlichsten Händelerlebnisse meines Lebens. Sie dirigiert auf eine ganz spezielle tanzende Weise, spielt im Stehen Cembalo und ist mit ihrer roten Mähne zudem eine Augenweide. Sie hat auch schon hochschwanger 4 Stunden am Pult gestanden (ich glaube mit Rinaldo) und wurde an diesem Abend besonders stürmisch gefeiert . Allerdings gingen auch mal Gerüchte um, dass sie ihren Mann verprügelt haben soll und es mit der Polizei zu tun hatte.....nun ja... Wenn man sie im Orchestergraben herrschen sieht, hält man das nicht mehr für total abwegig. Aber wie gesagt, das waren Gerüchte. Vielleicht auch von neidischen Männern in die Welt gesetzt.

    Paris, opéra national:

    Link.

    Danke, dass Du auch Paris eingestellt hast. Das ist sehr charmant dem wohl einzigen französischen Mitglied gegenüber. Es gibt da im Dezember eine Gala "Danube imperial et royal" Kaiserliche und königliche Donau... Was das wohl sein mag? Versuchen die Franzosen etwa die Wiener ohne Blinker zu überholen? :)

    Was ich sehr interessant finde ist eine Uraufführung von Pascal Dusapin "Il viaggio, Dante" Nachdem ich letztes Jahr ein beeindruckendes Dante-Ballet in Paris gesehen haben, gibt es heuer eine ganze Oper. Da darf man als Dante-Fan wirklich sehr erfreut und gespannt sein......Und das noch dazu in italienischer Sprache, wenngleich der Komponist Franzose ist.Bravo!

    Die Aufführung ist zwar schon eine Zeit her, aber (vor allem, aber natürlich nicht nur) für Sie stelle ich diesen Bericht hier noch einmal ein.

    Lieber Hagen, ich freue mich riesig, dass es hier noch andere Barockliebhaber gibt und danke für den ausgiebigen Aufführungsbericht aus Mainz. Ich habe dieses tief beeindruckende "Oratorium" auch schon live erleben dürfen und zwar in einer Top-Aufführung mit der französischen Händel-Spezialistin Emmanuelle Haïm und ihrem phantasischen Concert d'Astrée und herausragenden Sängern. Sie gastiert auch im Ausland und vielleicht haben Sie schonmal von ihr gehört.Wissen sie noch, wer in Mainz dirigiert und gesungen hat?

    Eine Überraschung für mich war es, das berühmte und wunderbare "Lascia ch'io pianga" zu hören. Mir war zuvor gar nicht bekannt, dass es schon in dieses frühe Werk Händels hineinkomponiert wurde. Händel hat es ja später an anderen Stellen nochmals verwendet. Und es gehört zu dem Schönsten, Innigsten, Tiefsten, was er geschrieben hat. Ich hatte eine "Permagänsehaut".

    Ja, diese Arie hat Händel mehrfach eingesetzt, weil sie einfach so wunderschön ist und nicht oft genug gehört werden kann. Der Text ist dann jeweils ein Anderer. In dem Oratorio ist es "Lascia la spina, cogli la rosa" (Lass die Dornen und pflücke die Rose) Ich kann die Permagänsehaut (tolles Wort...) bestens nachvollziehen. Eine meiner Lieblingsversionen ist die mit Julia Lezhneva https://www.youtube.com/watch?v=IOmsy3E6yn0 . Händelselige Grüsse

    Lieber Hagen, danke für diesen sehr anschaulichen Bericht der Alcina. ich finde Ihre Gedanken zur inneren Tragik der Titelfigur besonders schön und tiefgründig. Was ist eine Liebe wert, die nur durch Zauberei erzwungen wurde? Besser man träumt das Ganze nur, als DAS wirklich zu erleben und zu erleiden......Man weiss nicht, mit wem man mehr Mitleid haben soll: den verzauberten Männern oder der innerlich unbefriedigten Ver-Zauberin.

    Ich liebe diese Oper, für mich mit Giulio Cesare die Beste von Händel, und oute mich sowieso als Barockfan, womit ich hier wohl ziemlich einsam dastehe.

    Natürlich sind Händel-Opern ob ihrer Länge manchmal eine arge Geduldsprobe; besonders wenn Sänger und Inszenierung nicht wirklich überzeugen können. Auf CD wird mir das auch oft zuviel und ich höre nur einzelne Ausschnitte. Besonders die Arien der Morgana oder "Ah mio cor" von Alcina begeistern mich immer wieder.

    Meine Lieblingsaufführung war und bleibt die mit Renée Fleming als Alcina, Susan Graham als Ruggiero und Nathalie Dessay als Morgana unter William Christie in der Inszenierung von Robert Carsen. Der absolute Hammer! Aber inzwischen schon über 20 Jahre alt.

    Liebe Grüsse und gute Nacht

    Félicitations auch von meiner Seite! Ein so junger Administrator, der dazu noch voll berufstätig ist und als leidenschaftlicher Opernaffiocionado durch die Welt reist- da kann man gleich mehrere Hüte ziehen. Chapeau-issimo!!! Und dass hier nicht nur die Musik sondern auch die Dichtkunst blüht, ist umso schöner.

    Lieber Bernardin, wer Bellini ablehnt, hattest bei mir natürlich besonders schwer- wobei ich die Kritikpunkte durchaus nachvollziehen kann und sich Bellini ja auch zur Parodie bestens anbietet. Aber das wäre kein hinreichendes Argument, Offenbach nicht zu genießen, wenn ich es denn täte. Lieber Waldi, mir hat es früher Riesenspass gemacht, Offenbach zu singen und zu spielen. Das Veste überhaupt war das Duett mit Jupiter als Mouche( Stubenfliege) - wenn ich das noch könnte, wäre ich immer noch begeistert. Aber mitmachen oder anschauen bzw hören ist etwas Anderes. Mir gefällt ehrlich gesagt die Wiener Operette musikalisch viel besser. Aber ich erkenne das Talent von Offenbach und das, was er geleistet hat, vollkommen an. La belle Hélène oder Orphee aux enfers schaue ich mir auch immer noch ab und an gerne an und natürlich Les contes de Hoffmann, sein ambitioniertestes Werk. Liebe Grüße nach Wien

    Das ist in der Tat eine sehr besondere Oper, bei der für mich der Text persönlich fast noch eindrucksvoller ist als die Musik. Da braucht es selbstverständlich akzentfreie francophile SängerInnen. Vor vielen Jahren habe ich mich mal intensiv mit dieser Oper auseinandergesetzt. Von eurer Besetzung kenne ich Sabine Devielhe sehr gut, da schon oft auf der Bühne gehört und gesehen. Eine der besten französischen Sängerinnen unserer Zeit- die Constance passt sicher gut zu ihr- ich habe sie bisher eher in Koloratur Partien wie Lakme oder Sonnambula erlebt. Ihr habt es wirklich sooo gut in Wien! 🎶🤩

    Ja, das mit den Offenbachiaden ist in der Tat nicht so ganz einfach. Ich persönlich kann mich dafür nur wenig begeistern, da ich die Musik meistens ziemlich abgeschmackt finde und die Texte aus heutiger Sicht überholt sind. Zu seiner Zeit war das gewiss genial, provokant, politisch und spritzig, aber heute sind das doch eher historische Dokumente. Ich habe neulich "La vie parisienne" inszeniert von Jean-Paul Gaultier (seines Zeichen ursprünglich Modeschöpfer ) gesehen. Da war Alles sehr gut gesungen und gespielt (besonders Jodie Devos als Gabrielle war toll) und fürs Auge war auch viel dabei. Aber es reisst doch 2024 niemanden mehr vom Hocker, wenn ein dänischer Baron (nebst Gattin), der Paris von seiner schlüpfrigen Seite kennenlernen möchte, von Dienstboten, die sich als haute société ausgeben, an der Nase herumgeführt wird. Als Parodie auf die Paris- Klischees beim Ansturm auf die Weltausstellungen gedacht- aber kann man das heute noch nachvollziehen? 2024 kommt wieder tout le monde zur Olympiade nach Paris- wie könnte man das heute parodieren und neu lesen? Stoffe gäbe es genug- von der massiv überfüllten Metro bis zu den Blockaden der Bauern und die astronomischen Immobilienpreise. Es gibt nicht wenige Pariser, die für die Zeit der Olympiade zu Verwandten aufsLand fahren, ihre Wohnungen derweil zu horrenden Preisen untervermieten und davon dann ein ganzes Jahr Urlaub machen können.

    Ich finde den musikalischen Gehalt dieser Operetten einfach zu dürftig, um daraus ewiggültige Werke zu machen. M.E. hatten sie ihre Zeit und waren damals genial, aber heute kann ich das kaum noch geniessen -von wenigen Nummern abgesehen oder vielleicht einem so zeitlosen Sujet wie Orpheus in der Unterwelt.

    Damit trete ich jetzt sicher einigen Offenbachianern gewaltig auf den Schlips. Sie mögen mir trotzdem gewogen bleiben.

    Die Arie der Perichole "Je suis un peu grise" wird übrigens sehr gerne bei Festivitäten zum Besten gegeben. Ich hab mich auch schon damit versucht und um möglichst echt zu wirken, vorher ordentlich Champagner getrunken. Leider war es dann nur allzu echt und ich habe ein für alle Mal den Unterschied zwischen echter Schauspielkunst und echter Blamage kapiert. :S

    Wer sich für die jungen Talente, TänzerInnen und ChoreographInnen interessiert, kann sich auf Arte den Prix de Lausanne anschauen und schwelgen. Es gibt sowohl klassisches Ballet als auch zeitgenössisches Tanztheater und der ästhetische Genuss ist für jeden Geschmack garantiert.Ich persönlich bin besonders von den kurzen choreographischen Wettbewerbsbeiträgen beeindruckt.

    https://www.arte.tv/fr/videos/…2-A/50e-prix-de-lausanne/

    Lieber Bernardin, danke für den Bericht. Ich liebe es, wenn klassisches Ballet neue Impulse durch innovative Choreographen bekommt und dadurch lebendiger und interessanter wird- das scheint ja beim Wiener Dornröschen der Fall zu sein. Die Tanzszene ist offenbar noch internationaler als die Oper. Mich erstaunt es auch immer wieder, dass fast alle Kontinente in einer einzigen Truppe vertreten sind. Wer ein bisschen in die Welt des klassischen Tanzes unserer Zeit an der sehr renommierten Balletschule der Pariser Oper erfahren möchte, kann sich die Serie "Opéra" anschauen. Ich habe sie auf Arte gesehen, aber ich glaube sie ist auch in der ZDF Mediathek. Dort geht es auch um die beschwerliche Karriere einer schwarzen Tänzerin, was wohl leider immer noch eher die Ausnahme ist.

    Ich beneide Alle, die in der Nähe der Semperoper wohnen, denn schon mein erster Besuch dort hat mich total beeindruckt. Das scheint wirklich ein Haus allerster Güteklasse zu sein, nur für mich leider am anderen Ende der Welt. Ich habe im März auch einen Tristan in meinem Abo, allerdings werde ich da wohl kaum auf den Wagner-Geschmack kommen, denn unsere Opéra ist für herausragende Barockaufführungen bekannt. Ich bin sehr gespannt und werde berichten.

    Der Trailer ist wirklich eindrucksvoll.

    Also ganz ehrlich, diese Aussage des Lehrers finde ich weder für damals noch für heute in Ordnung. Und dass die Eltern darüber lachen, finde ich auch seltsam. Meine Eltern hätten in meiner Schulzeit sicher nicht darüber gelacht, denn das hätte mich wohl zusätzlich gekränkt. Als Mutter hätte ich mir diese Aussage über meine Kinder auch nicht gefallen lassen. Wutentbrannt wäre ich nicht in die Schule gelaufen, aber gefragt hätte ich den Mann schon, was er sich dabei gedacht hat. Es kommt mir aber jetzt so vor, dass früher die Eltern vieles toleriert haben, was die Lehrer gesagt haben, heute tolerieren sie vieles, was ihr Kinder sagen und tun. Die Eltern im Wandel der Zeit: einer Seite gegenüber sind sie immer tolerant?

    Liebe Annemarie, ich verstehe Deine Einlassung sehr gut, denn Du Du kanntest den besagten Lehrer nicht und kannst deshalb den Subtext und Unterton nicht hören. Ich war damals kein bisschen beleidigt oder verletzt, weil dieser Lehrer eine Seele von Mensch war und es eher ein Zeichen von Sympathie war, obschon ich eine solche Null in Mathe war. Der Ton in dem das gesagt wird, spielt eine ganz entscheidende Rolle und dieser Ton war so nett und fast fürsorglich. Ich hab sowas später nochmal bei einem Fahrlehrer erlebt, der mir bescheinigte, dass ich eine sehr charmante Person sei und es ihm grosse Freude mache, sich mit mir über Gott und die Welt zu unterhalten. Bloss Auto fahren könne ich einfach nicht. Er hatte genauso Recht wie mein Mathelehrer und in solchen Fällen kann ich wirklich über mich selbst lachen und bin überhaupt nicht böse sondern froh über die Ehrlichkeit der Leute. Und da ich selbst darüber gelacht habe, haben es meine Eltern eben auch getan. andernfalls hätten sie mich sicher verteidigt.

    Ja, liebe Ira, das stimmt leider. Meine Schwester ist auch Lehrerin und muss sich von manchen Schülern Dinge anhören, die einfach unmöglich sind, aber die Eltern finden das offenbar normal und akzeptieren oft keine Kritik an ihren Kindern. Die Erziehungaufgaben, die sie selbst nicht übernehmen können oder wollen, werden auf die Lehrer projiziert. Meine Schwester, die über jedweden Rassismus-Vorwurf erhaben ist, klagt vor Allem über halbwüchsige Jungs aus muslimischem Kulturkreis, die Probleme mit ihrer weiblichen Autorität haben. Ich weiss, dass das ein sehr heisses Eisen ist, aber dadurch wird die Situation für Lehrerinnen manchmal unhaltbar. Und die Eltern sind leider absolut keine Hilfe, so sie denn überhaupt je sichtbar werden. Damit umzugehen ist umso schwieriger, je stärker der Herdeneffekt wirkt, also je mehr in derselben Klasse sind.

    Danke für die Beiträge, ich war einige Tage zu beschäftigt und lese sie erst heute. Ich kann gut verstehen, dass man klassisches Ballett nicht unbedingt liebt, für mich ist modernes Tanztheater auch wesentlich spannender. Ab und zu sehe ich aber gerne mal ein klassisches Ballett, weil es mich visuell-ästhetisch einfach so anspricht. Im Moment gibt es eine Film-Serie "Opéra" über Leben, Ausbildung und Arbeit in heutiger Zeit an der Pariser Opéra Garnier, die ja eine sehr grosse Ballettradition hat (auf ZDF oder Arte). Sadkos Bemerkung, dass Ballet ungesund ist, kann man da auch wieder bestätigt sehen, und es geht nicht nur um die physische Gesundheit. Die Belastung für Gelenke, Sehnen und Muskeln ist natürlich extrem und oft unnatürlich, aber der psychische Druck nicht minder. Die Karriere der Profitänzer beginnt und endet sehr früh und ohne strengste Disziplin geht da gar nichts.

    Meine letzten klassischen Ballettaufführungen waren Shakespeares Sommernachtstraum an der Semperoper ( gut gemacht, aber nicht aufsehenerregend) und "The Dante Projekt" an der Opera Garnier Paris. Eine ziemlich freie Interpretation der Divina commedia von Dante. Hier ein kleiner Ausschnitt https://www.youtube.com/watch?v=Z8oxF2yhZuo

    Das war sehr interessant, aber leider war die Musik nicht auf der Höhe des Inhalts und des Tanzes.

    Mir persönlich gefällt der freiere Ausdruckstanz besser und dazu gehört natürlich auch Pina Bauschs Tanztheater. Der Film von Wim Wenders ist wunderbar und hr Café Müller ein für mich unvergessliches Erlebnis. Das was die Kompanie heute macht, fällt m.E. dahinter weit zurück.

    Vor etlichen Jahren habe ich den belgischen Choreographen Siri Larbi Cherkaoui entdeckt, der mich total begeistert hat. Eine Kostprobe kann man hier sehen https://www.arte.tv/fr/videos/117218-000-A/elements/

    Soweit für heute, danke, dass dieses Thema hier auch seinen Platz hat.