Beiträge von Annemarie

    Ja, lieber Sadko, das ist eine Verwechslung von mir. Was die Csárdásfürstin betrifft, habe ich die Inszenierung von Robert Herzl gemeint, die andere kenne ich gar nicht. Ich hab sie mir nach Aussagen von Bekannten nicht angesehen. My Fair Lady hab ich in der vergangenen Saison gesehen, was muss man da neu einstudieren? Meine 14 jährige Begleiterin war übrigens mit dem Ende gar nicht einverstanden. Sie war noch nie verliebt.

    Das "neue" Programm für die Volksoper in der Saison 24/25 ist teilweise wirklich enttäuschend. Wozu den Figaro und die Carmen, beide Opern werden in der Staatsoper auch gespielt und beide Opern sind (waren) auch im Repertoire der Volksoper. Auch von der Csardasfürstin und My fair lady gibt es intakte Inszenierungen. Wieso werden in einer Stadt überhaupt die gleichen Opern in zwei Häusern gespielt, dafür andere interessante Opern jahrelang gar nicht? Und der Hinweis in der Zeitung "Der Standard", dass es bei Carmen keinen neuen Schluss geben wird, ist auch bemerkenswert. Das scheint ja jetzt Mode zu werden. Während aber vor einigen Jahren Opern mit einem glücklichen Ende (Entführung aus dem Serail, Fidelio) nach der Idee des Regisseurs schlecht ausgingen, wird das jetzt umgedreht (La Gioconda, La Rondine).

    Herzlichen Dank an Sadko für die Eröffnung und Gestaltung des Forums und Gratulation auch an Hagen für das nette Gedicht! Das Forum möge auf dem Niveau bleiben auf dem es jetzt ist, das wäre mein Geburtagswunsch.

    Die Besetzung von "Le Villi" hört sich super an

    Ja, das war sie auch und die Kritiken für dieses Trio waren sehr gut wenn ich mich richtig erinnere. Weniger gut kam die Regisseurin Karoline Gruber weg, aber diese Oper ist wohl auch schwer zu inszenieren. Ich glaube, es gab einen Eiskasten voller Bierdosen, aus denen Cura trinken musste.

    "Lass uns die Welt vergessen" fand ich wirklich beeindruckend. Es verkauft sich offensichtlich auch sehr gut, denn es werden immer wieder Vorstellungen eingeschoben. Um bei der Operette zu bleiben: Die Dubarry gefiel mir mit einigen Abstrichen auch. Ich kannte dieses Werk aber nur von einer Fernsehproduktion, die vor sehr langer Zeit zu sehen war. Orpheus in der Unterwelt hat mir schon in der alten Inszenierung nicht gefallen, das liegt aber am Stück. Ich bin neugierig auf La Rondine, die einzige Puccini Oper, die ich noch nie gesehen habe.

    Die positive Kritik der Lustigen Witwe hat mich etwas erstaunt, denn ich habe in Wien auch einige eher schlechte Kritiken gelesen und auf der Facebookseite der Volksopernfreunde wird heftigst diskutiert und vielen hat es nicht gefallen.

    Vorweg, die Premiere war so, wie man sie sich in der Volksoper vorstellt und es sich das Wiener Publikum wahrscheinlich auch wünscht.

    Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass sich die Leute, die die Operette wirklich mögen, das gewünscht haben. Was ich gar nicht vesrtehe: warum müssen Hanna und Danilo so alt sein? Das passt doch überhaupt nicht zum Text. Ich bin immer davon ausgegangen, dass Hannas Mann recht bald nach der Hochzeit gestorben ist (manche sagen ja. nach der Hochzeitsnacht) und sie dann nach Paris ging wo sie sich noch nicht so richtig aklimatisiert hat wenn die Operette beginnt. Warum sollte sich eine ältere Dame mit dem jungen Rossillon verloben wollen beziehungsweise er mit ihr. Und der alte Danilo ist dann noch eifersüchtig?

    Wenn ich an Peter Minich als Danilo denke,

    Das heißt, dass Sie - so wie ich - eine Aufführung der Lustigen Witwe vor ziemlich langer Zeit gesehen haben müssen. Mirjana Irosch und Peter Minich waren für mich das ideale Paar in dieser Operette als es noch dem Werk entsprechende Inszenierungen von Regisseuren gab, die sich bei den Werken auskannten. Die jetzige Regisseurin hat ja selbst in einem Interview gesagt, dass sie die Operette nicht kannte. Interessant, wie sie auf die Idee kam, dass es sich dabei um zwei ältere Menschen handeln muss als sie das Textbuch zum ersten Mal las. Was die Beurteilung der Sängerinnen und Sänger in den Wiener Kritiken und Foren betrifft, bin ich wieder einmal erstaunt, wie unterschiedlich die ist.

    Der "normale" Operngänger wird so etwas nicht bemerken. Darum sollte eine wesentliche Grundidee schon auf Anhieb erkenntlich sein.

    Da kann ich mich Ira nur anschließen, dass man die Grundidee gleich beim ersten Mal erkennen müsste. Ich weiß nicht, wie viele Menschen - auch wenn sie große Opernliebhaber sind - es sich finanziell (da ist es in den Wiener Opernhäusern allerdings noch sehr günstig) aber auch vor allem zeitmäßig (!) leisten können sich Aufführungen so oft anzuschauen. Man kann die Oper lieben, aber auch am Theater oder Konzerten interessiert sein. Wenn man eine Familie hat, ist es nicht möglich fast jeden Abend wegzugehen, aber man kann ein Werk, das man sehr schätzt, zumindest ein Mal wiedersehen wollen.

    Zudem könnte die Gehbewegung im Hintergrund und das Statische im Vordergrund auch die Bewegung auf dem Wasser symbolisieren: Während im Vordergrund (also auf dem Schiff am fließenden) die Handlung passiert, zieht im Hintergrund das Land vorbei.

    Das ist ja ganz nett, wenn man diese Erkenntnis gewinnt, aber es wäre mir ziemlich egal. Ich möchte diese Geschichte so wiedererkennen, wie sie gedacht war. Ein tief verletzter Mann, eine unglückliche Frau, ein ziemlich sorgloser und unvorsichtiger Liebhaber. Das kann man sehr schön darstellen und musikalisch gestalten, aber wer da im Hintergrund in welche Richtung geht, ist das wichtig?

    Mit dem Gianni Schicchi kann ich auch nicht viel anfangen, aber so uninspiriert hätte er nicht inszeniert werden müssen. Ich hab die Oper vor etwa 10 Jahren in Triest mit einer eher unbekannten Besetzung gesehen, das war unterhaltsamer.

    Ich habe die Ausführungen von Bernardin auch mit Interesse gelesen. Eine Konserve ersetzt keine Live Aufführung, das ist klar. Trotzdem gab es meiner Meinung nach in der Vergangenheit viel mehr bessere und dem Werk entsprechendere Inszenierungen als heute weil sich die Regisseure nicht so wichtig nahmen und auch nicht so wichtig genommen wurden, sondern sich in den Dienst des Werks stellten. Natürlich waren früher auch nicht alle Inszenierungen großartig.

    Was sich da an Weltspitzenkräften findet, die in meiner Erinnerung furchtbar waren, würden Sie nicht wissen wollen. Und was eigenartig ist: Aufführungen, die ich als besonders gut in Erinnerung hatte und die auf YouTube verfügbar sind, haben bei der erneuten Anschauung jeden Zauber verloren und waren eine Aufführung qualsiasi.

    So viele Aufführungen wie Sie habe ich bei Weitem nicht gesehen und ich kann mich kaum an Aufführungen erinnern in der Weltspitzenkräfte furchtbar waren. Indisponiert manchmal, aber nie furchtbar. Oder es waren eben keine Spitzenkräfte. Es ist mir bisher auch noch nicht passiert, dass ich beim Wiederhören von früher als sehr positiv empfundenen Opernabenden jetzt enttäuscht war. Dass sich "der gleiche Zauber nicht einstellt", ist ja klar, weil es kein live Erlebnis mehr sein kann.

    Ich weiß ja auch nicht, warum ich mir Furtwängler und Karajan anhören soll. Meine "Helden" sind diesbezüglich Claudio Abbado und Nikolaus Harnoncourt.

    Warum sollte man sich Künstler nicht anhören, die man nicht live erlebt hat? In der italienischen Oper kann man z.B. Karajan und Abbado gut vergleichen, wobei ich beide noch live in der Wiener Staatsoper gehört habe. Es waren wunderschöne Abende - für mich.

    Es ist dann halt nicht mehr Tchaikovskys Pique Dame oder die Pique Dame, wie sie in Libretto und Partitur niedergelegt ist, sondern irgendetwas anderes, zu dem - warum auch immer - die Musik zu Tchaikovskys Pique Dame gespielt wird.

    Das finde ich großartig formuliert. Ich empfinde es bei vielen Aufführungen "moderner Regisseure" genau so.

    Ganz anders in Mathematik, wo ich einen Lehrer hatte, der im schönstem pfälzischen Dialekt zu mir sagte "Mariechen, Du musst ein Zwilling sein, so dumm kann einer allein nicht sein" Sowas wäre heute wahrscheinlich ein Grund, ihn anzuzeigen, aber er war unglaublich nett und selbst diese Bemerkung kam total freundlich rüber und wir haben Alle gelacht, einschliesslich meiner Eltern (anstatt wutentbrannt in die Schule zu stürmen).

    Also ganz ehrlich, diese Aussage des Lehrers finde ich weder für damals noch für heute in Ordnung. Und dass die Eltern darüber lachen, finde ich auch seltsam. Meine Eltern hätten in meiner Schulzeit sicher nicht darüber gelacht, denn das hätte mich wohl zusätzlich gekränkt. Als Mutter hätte ich mir diese Aussage über meine Kinder auch nicht gefallen lassen. Wutentbrannt wäre ich nicht in die Schule gelaufen, aber gefragt hätte ich den Mann schon, was er sich dabei gedacht hat. Es kommt mir aber jetzt so vor, dass früher die Eltern vieles toleriert haben, was die Lehrer gesagt haben, heute tolerieren sie vieles, was ihr Kinder sagen und tun. Die Eltern im Wandel der Zeit: einer Seite gegenüber sind sie immer tolerant?

    Es ist schade, dass die Aufführung der Ariadne offenbar zwiespältige Reaktionen hervorgerufen hat. Dem Kritiker des Merker hat sie gut gefallen, (sogar die Zerbinetta), auch die Kritikerin des Kurier schreibt, "Ariadne begeistert mit ihrer beachtlichen Besetzung". Dem Kritiker der Presse hat es, so wie Sadko, nicht gefallen. Ich bin immer wieder erstaunt über diese unterschiedlichen Eindrücke.

    Was mich aber noch viel mehr erstaunt ist die Tatsache, dass es fast 14 Jahre nach der Uraufführung eines Werkes angeblich nur drei Sängerinnen auf der Welt gibt, die die Medea singen können. Wie kann das sein? 14 Jahre nach der Uraufführung der Tosca, der Butterfly, der Salome, der Elektra usw. gab es sicher nicht nur drei Damen, die diese Rollen singen konnten. Woran liegt es? An den Sängerinnen oder an den musikalischen Anforderungen?

    Ich kann mich im Großen und Ganzen Waldi anschließen. Auch ich hatte das Glück in den meisten Fächern großartige bis sehr gute Professorinnen zu haben. Außer in Religion hatten wir nur Frauen, sie haben das Interesse und die Freude an ihren Fächern geweckt. Wir bekamen damals immer wieder einmal auch Stehplatzkarten für die Wiener Staatsoper über die Schule. Das gab es später, glaube ich, gar nicht mehr.

    Ich bin in Wien geboren und lebe seither in dieser Stadt, meine Eltern waren deutschsprachig, aber das Meidlinger L kann ich vermutlich nicht richtig aussprechen und den echten Wiener Dialekt kann ich auch nicht. Ich verstehe ihn großteils, aber manche Wörter sind mir vollkommen unbekannt. Wir haben zu Hause nur "nach der Schrift" gesprochen. Die sprachliche Färbung des Wienerischen von Jonas Kaufmann finde ich sehr sympathisch.

    2) Die Forderung, das Libretto wörtlich zu nehmen und auf der Bühne bloß zu bebildern, wird von den "üblichen Verdächtigen" erhoben.

    Wer sind in diesem Fall die üblichen Verdächtigen ? Es klingt für mich ziemlich abwertend. Kann eine Inszenierung des Jahres 2023 auch gut sein wenn sie das Libretto wörtlich nimmt und den üblichen Verdächtigen gefällt, den "fortschrittlichen Menschen" aber nicht?

    In der Kritik wird von genialen Ideen gesprochen, die schlecht umgesetzt wurden.

    Zitat

    Indem Guth von einer genialen Idee ausgehend eine halbherzige psychoanalytische Deutung vorlegt, ist damit die spannende Chance vertan, gerade die Diskontinuitäten eines schwierigen Heilungsprozesses dialektisch aufzuzeigen, sie mit unterschiedlich motivierten Figuren im Stück zu konfrontieren und zum Schluss auf das absurde Ende nach dem Tod Liùs in irgendeiner Weise kritisch Stellung zu beziehen.

    Für mich ist das ein Herumreden. Welche geniale Idee hatte der Regisseur? Turandot ist ein Märchen, da brauche ich keine "Diskontinuitäten eines schwierigen Heilungsprozesses dialektisch aufgezeigt bekommen". Es gibt aber viele Aussagen in der Kritik, die ich sehr treffend finde.



    Moderative Anmerkung: Der Verfasser des zweiten Zitats ist nicht Sadko, daher habe ich den Namen Sadkos in der Quellenangabe des zweiten Zitats entfernt.

    Ich fürchte, dass hier ein Missverständnis vorliegt, denn der Text richtet sich ja nicht gegen Inszenierungen, die das Libretto nicht wörtlich abbilden, sondern gegen diese eine konkrete Inszenierung, die einfach (aus der Sicht des Autors und aus meiner Sicht) misslungen ist. Ich finde, dass der Text die Inszenierung sehr nachvollziehbar beurteilt; vor allem, weil er konkret begründet und klar macht, dass es ihm nicht darum geht, dass die Inszenierung etwas anderes zeigt als im Libretto wörtlich steht, sondern darum, dass sie nicht gut gemacht ist.

    Als Missverständnis sehe ich das nicht unbedingt. Die Inszenierung zeigt nicht, was im Libretto steht und das ist - zumindest für mich - der Hauptgrund, warum sie misslungen ist. Es wird älteren Opern- aber auch Theaterbesuchern ja öfters vorgehalten, dass sie zu sehr in der Vergangenheit leben, dem Neuen gegenüber nicht aufgeschlossen wären und dass man mit Neuinterpretationen junge Leute leichter für die Oper und das Theater interessieren könnte. Wenn jungen Leuten die Neuinterpretationen auch nicht immer gefallen, ist das für mich beruhigend. Für mich gibt es gute (das Wort ist allumfassend gemeint) und weniger gute bis uninteressante Opern und dabei denke ich zuerst an die Musik, dann aber auch an den Text beziehungsweise Inhalt. Und ich verstehe nicht, warum eine gute Oper vom Regisseur "uminterpretiert" werden muss.

    Herr Totsuka ist Assistent an der Universität Wien im Bereich Philosophie, Religion und Ethik. Wenn er im "normalen Alter2 zu studieren begonnen hat, muss er noch ziemlich jung sein, so um die 30 Jahre. Als ich seine Kritik gelesen habe, hat mich gefreut, dass auch jungen Menschen, die gerne in die Oper gehen, Inszenierungen die mit dem Werk des Komponisten nichts mehr zu tun haben, nicht gefallen. Das trifft ja auch auf Sadko zu. (Was die Jugend betrifft). Ob er mit den "üblichen Verdächtigen" ältere Opernliebhaber gemeint hat, weiß ich nicht. Ich hoffe, nicht. Dass es in Deutschland schon im Jahr 1959 Lohengrin Inszenierungen ohne "Lohengrin Flair" gab, war mir neu. Mein erster Lohengrin kam Jahre später mit dem Schwan.

    Es waren fast ausschließlich mittlere und kleinere Partien, die allerdings nicht wenig zum Gelingen einer Vorstellung beitragen.

    An der Wiener Staatsoper hat er auch große Partien gesungen, z.B. den Figaro im Barbiere, den Grafen in der Hochzeit des Figaro, den Giorgio Germont, den Guglielmo, den Belcore. Ich hab ihn allerdings hauptsächlich in den kleineren und mittleren Partien gesehen, Morales, Roucher (Andre Chenier), Lescaut (Manon), Fernando (Fidelio). Er war ein sehr sympathisches Ensemblemitglied.

    Gibt es jemand hier im Forum der die Wiener Aufführung der Turandot 1961 mit Birgit Nilsson, Giuseppe di Stefano und Leontyne Price in der Inszenierung von Margarethe Wallmann gesehen hat? Das war "vor meiner Zeit", muss aber dem Wiener Publikum sehr gefallen haben, der Wiener Kritik nicht.

    "Einen besseren Beweis als den absoluten Niedergang der Wiener Schule in der Musikkritik, ihr völliges Losgelöstsein auch von der Meinung eines guten Publikums kann es gar nicht geben, als den Riesenerfolg unserer neuen Turandot und ihr grauenhaftes Echo in der Wiener Kritik", steht in der Zeitschrift Merker. Ich habe die Aufführung von 1983 mit Eva Marton, Jose Carreras und Katia Ricciarelli in guter Erinnerung. Nach "nessun dorma" gab es zwar keinen Applaus, aber sonst viel Jubel und Eva Marton war eine Turandot und Katia Ricciarelli eine Liu wie ich sie mir vorgestellt habe. Jose Carreras - "mein unvergesslicher Don Carlo" - kam vielleicht nicht ganz an den Kalaf von Franco Corelli (den ich allerdings nur von einem Film kenne) heran, aber er gefiel mir auch. Je mehr ich über die Inszenierung von Guth nachdenke, desto ärgerlicher finde ich sie.