Opernberichte der Saison 2017/18

  • Dieser Thread ist für Berichte von Opernaufführungen der Saison 2017/18 (inkl. Operetten) und für dazugehörige Diskussionen vorgesehen.


    Grundsätzlich besitzt dieser Thread Archivfunktion. Der (in der Saison 2017/18 leider einzige) Beitrag ist so wiedergegeben, wie ich ihn damals verfasst habe; dadurch soll das Forum auch einen Teil vergangener Operngeschichte dokumentieren.

  • 17. September 2017: TRIER (Theater): Richard Wagner, Der fliegende Holländer

    Mein Bericht zur gestrigen Aufführung in Trier:


    Holländer (Franz Grundheber)

    Im ersten Akt traumhaft, im zweiten auch sehr gut,wenngleich sehr leise (allerdings hatte er eine Senta, die ihn offenbar überschreien wollte), im dritten Akt ist er an seine Grenzen gelangt, was aber nur bemerkbar war, wenn man die Partie gut im Ohr hat; aber auch im dritten Akt war seine Leistung gemessen an allen anderen, die ich live in dieser Rolle gehört habe (Uusitalo, Dohmen, Terfel, Volle), ausgezeichnet (zum Beispiel ein wunderbares „Du aber sollst gerettet sein“, aber auch genügend Kraft für die lauteren Passagen wie zum Beispiel „sag Lebewohl auf Ewigkeit dem Lande“). In Anbetracht der Tatsache, dass der Mann in ein paar Tagen achtzig (!) wird, ist das sowieso bewundernswert! Grundheber wird nicht mehr als Holländer auftreten.


    Erik (Clemens Bieber)

    Ausgezeichnet! Ich habe ihn zuvor gar nicht gekannt, aber er hat mich äußerst angenehm überrascht! Er ist derzeit im Ensemble der Deutschen Oper Berlin, wo er in der laufenden Saison neben kleinen Rollen auch Aegisth und Erik singt. Das Timbre erinnert mich entfernt an das Lipperts, aber Bieber besitzt nicht die Unarten Lipperts. Über den etwas verfrühten Einsatz bei „Willst jenes Tages du dich nicht mehr entsinnen?“ kann man hinwegsehen.


    Senta (Cornelia Ptassek)

    Über sie kann ich eigentlich nichts sagen, als dass sie möglichst laut und schrill, gleichzeitig aber auch beinahe komplett textundeutlich war. Immerhin war sie immer auf der richtigen Tonhöhe. Laut ihrer Homepage war es ihr Rollendebüt als Senta. Übrigens singt sie in dieser Saison die Grete im Fernen Klang in Lübeck, wo ich ursprünglich hinfahren wollte.


    Daland (Thorsten Grümbel)

    Naja. Seine Stimme ist eigentlich schön, aber immer, wenn ihr Besitzer einen Ton länger aushalten wollte, hat sie etwas gewabert.


    Steuermann (Thomas Greuel)

    Für ihn gilt genau das Gleiche wie für Grümbel. Er ist allerdings nicht mehr der Jüngste und außerdem Tenor, da kann das leichter vorkommen.


    Mary (Marion Eckstein)

    Gut, aber hat mehr nach einem Sopran geklungen, weniger nach einem Mezzo.


    Dirigent (Jochen Schaaf) Hin und wieder bissl seltsame Tempovorstellungen, aber eigentlich ganz ok, so alles in allem.


    Orchester (Philharmonisches Orchester der Stadt Trier)

    Naja, sichtlich bemüht!


    Chor (Konzertchor Trier + Opern- und Zusatzchor des Theaters Trier)

    Eine einzige Katastrophe!!


    Trier selbst: Wunderschöne Stadt!


    Insgesamt hat es sich für mich wirklich gelohnt! Die Sänger standen auf der Tribüne in der Mitte oder vor dem Chor und haben durchaus sehr miteinander interagiert, wie wir es von anderen halb-konzertanten Aufführungen (Feuersnot in der Volksoper etc.) kennen. Auf der Video-Leinwand im Hintergrund wurden, sehr passend, verschiedene Projektionen gezeigt, die ausgezeichnet zur Musik und Handlung passten. Auf jeden Fall eine sehr brauchbare Lösung für das Theater Trier, das (wie mir dort berichtet wurde) mit extrem wenig Geld auskommen muss.

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