Opernberichte der Saison 2018/19

  • Dieser Thread ist für Berichte von Opernaufführungen der Saison 2018/19 (inkl. Operetten) und für dazugehörige Diskussionen vorgesehen.


    Grundsätzlich besitzt dieser Thread Archivfunktion. Die Beiträge sind so wiedergegeben, wie ich sie damals verfasst habe; zahlreiches sehe ich heute anders oder würde ich auf eine andere Art ausdrücken. Dennoch habe ich mich dazu entschieden, die Texte so zu lassen, wie ich sie damals geschrieben habe. Man sieht in diesem Thread auch die Entwicklung von kurzen Informationen zur Aufführung hin zu durchformulierten Berichten.

  • Mo., 10. September 2018: WIEN (Staatsoper): Richard Strauss, Ariadne auf Naxos

    Ich war heute in der Ariadne. Mein Wiener Saisonanfang hätte besser werden können. Ich hätte lieber in den Musikverein zur III. Mahler gehen sollen.


    Pieczonka: Ihretwegen war ich dort. Früher von mir sehr geschätzt, dann einige Jahre entweder abgesagt oder enttäuschend; heute letzteres. Sie hat merklich abgebaut. Dennoch hinterlässt sie Eindruck, aber es fehlt mir die große Linie und die großen Bögen im Gesang. Einzlene Höhen ("Hermes heißen sie ihn" etc) hinausgeschrieen. Insgesamt okay, aber nicht mehr. Und die Ariadne ist wirklich keine schwierige Partie!


    Lippert: Naja. Man kann ihm diesmal nix vorwerfen, außer dass seine Doch-eher-Mozart-Stimme einfach nicht für den sauschweren Bacchus passt. Als Notlösung akzeptabel.


    Fahima (Zerbinetta): Naja. Recht schön gesungen, aber die Technik klingt mir noch ausbaufähig. Außerdem viel zu leise, und sie sollte Deutsch richtiger aussprechen.


    Koch: nicht ganz so gut wie sonst, die Stimme war heute nicht so schön wie üblich. Naja, kann passieren.


    Schmeckenbecher (Musiklehrer): Er ist kein Eiche und kein Grundheber, aber sehr ordentlich.


    Matic: gut! etwas zu leise


    Ebenstein (Tanzmeister): gut! Er sollte nur auf den Text aufpassen. Kleinere Aussetzer sind wurscht, aber es heißt "Sie ist mit einem gewissen Theseus entflohen, dem sie vorher das Leben gerettet hat." und nicht "der ihr vorher..."


    Bankl (Truffaldin): super, der beste der kleinen Rollen!


    Dirigent (Patrick Lange): Kapitale Katastrophe!! Entweder gehetzt und zernudelt (zB das Orchestervorspiel zum Vorspiel) oder zerdehnt (wie das Ariadne/Bacchus-Finale). Einsätze für die Sänger gibt er prinzipiell nicht (wohl deshalb waren auch einige verwackelt), er agiert auch recht sängerunfreunlich (der Tanzmeister hat grad das "Zerbineeeeeta" ausgehalten, als ihm der Lange schon hineingepfuscht ist). Nicht mit Peter Schneider, Jeffrey Tate oder gar mit Michael Boder zu vergleichen. Ausbuhreif.


    Inszenierung: Gehört auf die Mülldeponie. Typischer Bechtolf. Wenn man die alte schon ersetzt, soll man auch was Besseres bringen. Bei der Elektra oder Nozze di Figaro oder Traviata oder oder ists ja auch nicht anders.


    Das Stück an sich: Naja, ich habs früher heiß geliebt, aber mittlerweile schon zu oft gehört. Wie jedenfalls die Staatsoper auf die Idee kommt, auf die Homepage zu schreiben: "für viele die beste Zusammenarbeit von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal" versteh ich nicht. Elektra und FroSch sind bitte 100mal besser.

  • So., 7. Oktober 2018: WIEN (Staatsoper): Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Eugen Onegin

    Ich war heute im Eugen Onegin und positiv überrascht. Gute Repertoirevorstellung mit nur einem kleinen Schwachpunkt (Kammerer - kann der sich bitte endlich auf Sprechrollen zurückziehen wie im Freischütz!) und einer positiven Überraschung (Furlanetto - deutlich besser bei Stimme als im März).

    Dirigent und Chor leider oft nicht synchron.

    Stehplatzandrang bei der Kassa stark, aber auf der Galerie eher wenig los.

  • Sa., 13. Oktober 2018: WIEN (Volksoper): Albert Lortzing, Zar und Zimmermann

    Orchester überraschend gut, die Inszenierung ist sehr gut, die Sänger teilweise spitze (Schmutzhard + Cerny), gut (Woldt) bis Volksopernniveau (die anderen).


    Es ist halt Deutsche Spieloper, leider eine ziemlich lang(atmig)e Angelegenheit (1h13 + 40 min + 42 min --> Ende um 22:22). Aber wenn man das Stück nicht kennt, zahlt es sich durchaus aus hinzugehen! Die Inszenierung hat das Beste aus dem Stück herausgeholt, das man herausholen kann, denke ich.

  • So., 14. Oktober 2018: WIEN (Staatsoper): Hector Berlioz, Les Troyens

    Naja. Sehr gut, dass dieses Werk endlich wieder gespielt wird mit einer guten bis sehr guten Besetzung. Aber diese pseudohistorische Hollywood-Kitsch-Produktion ("Inszenierung" kann man ja das nicht nennen) find ich ja fast so schlimm wie Schenks Füchslein-Katastrophe. Wir sind glücklicherweise nicht in Amerika...


    P.S.: Hab jetzt auch die Prochazka-Kritik gelesen.

    Und ich bin FROH, dass wenigstens EIN Schreiber genau denselben Eindruck hat wie ich (hinsichtlich der musikalischen Leistungen). Ja, die Premiere war ein Erfolg, und nein, DiDonato ist zwar sehr gut, aber nicht fehlerfrei, und nein, Plachetka ist KEIN Gewinn fürs Ensemble!! Der war doch schon als Heerrufer im Lohengrin nicht auszuhalten. Und sonst auch nicht. Aber sofern er gut ausschaut..


    Übrigens ist mir Szilvia Vörös sehr positiv aufgefallen! Da bin ich auf ihre weitere Entwicklung sehr gespannt!

  • Do, 18. + Di., 23. Oktober 2018: WIEN (Theater an der Wien): Gioachino Rossini, Guillaume Tell

    Danke, dass Sie uns an Ihren Eindrücken teilhaben lassen! Ich stimme Ihnen zu (ich war am 18. und 23. Oktober dort), die musikalische Qualität war super, wenn man von den Symphonikern absieht. Schön, dass dieses Stück wieder einmal in Wien gespielt wurde, ich hätte es auch gerne an der Staatsoper! Auch La Juive wäre wieder fällig!


    Nicht zustimmen kann ich Ihnen hinsichtlich der Inszenierung. Ich bin der Meinung, dass insbesondere für ein Stück, das nach "historischem Schinken" riecht, eine abstrakte Realisierung notwendig ist, um zu begreifen, um was es in diesem Stück WIRKLICH geht, ohne dass der Blick darauf durch eine historisch-prachtvolle Ausstattung verstellt wird. Meiner Meinung nach ist es komplett egal, ob diese Oper in der Schweiz spielt oder im Wilden Westen oder auf dem Mars oder in einer nicht näher bestimmen, abstrakten Umgebung - solange der Kern der Geschichte erzählt wird, die Sänger nicht behindert werden, das Bühnenbild nicht schallunfreundlich ist, die Personenführung gut gemacht ist etc. Das alles war hier meiner Meinung nach der Fall.

    Mich haben nur zwei Kleinigkeiten gestört: Der erste Auftritt des Chores im Stil einer Putzbrigade samt geräuschvollem Wegwischen des Kunstschnees und das aus meiner Sicht unnötige Hantieren des Chores mit den Rotweingläsern. Aber das sind nur zwei Kleinigkeiten, sonst finde ich die Produktion super.


    Es wurde übrigens sehr viel gestrichen (angeblich ca. eine Stunde Musik).


    Ich ärgere mich beinahe ein bisschen, dass ich mir nur zwei Termine freigehalten hab, einen dritten hätt ich schon noch vertragen...




    Da ich heute im Theater an der Wien war, kann ich mich dazu äußern. Ich sehe das exakt umgekehrt! Die Torsten-Fischer-Produktion von Guillaume Tell finde ich spannend und gut gemacht, wohingehen mich die "um jeden Preis opulente und prächtige" Ausstattung (Inzenierung ist es ja keine) der Trojaner weit mehr als dezent stört. Zudem singen im Guillaume Tell auch sehr gute Leute! (ja, ich weiß schon, dass es Sänger im THADW leichter haben als in der Staatsoper) Guillaume Tell halte ich für eine ausgezeichnete Produktion; spannendes Musiktheater findet in Wien halt am ehesten im THADW statt. Erst der Verzicht auf idyllische alpenländische Klischees macht es mir möglich, das Stück als das zu begreifen, was es ist - als eiskaltes Freiheitsdrama. Also ich würde der Meinung, es sei ein Unsinn, stark widersprechen!

  • Fr., 19. Oktober 2018: WIEN (Staatsoper): Richard Strauss, Elektra

    Was meiner Meinung nach heute wirklich geschah:

    Boder + Orchester: absolut super, das war ein Wahnsinn!! Da können ALLE sogenannten Pultstars einpacken! Besser kann man die Elektra nicht dirigieren, denke ich.

    Lindstrom: über den Erwartungen, sehr ordentlich! Eigentlich sogar besser als Stemme (bin aber kein Stemme-Fan). Allerdings betreibt Lindstrom Raubbau an ihrer Stimme.

    Gabler + Meier: Totalausfälle

    J. Schneider: ein brighellaartiger Aegisth

    Pape: gut, aber auch nicht mehr

    in den Nebenrollen Bankl, Bohinec und Vörös postiv auffallend.

    Die Inszenierung ist und bleibt in meinen Augen ein Müll, aber man gewöhnt sich daran, wenn man in der Schluss-Szene nicht hinschaut. Aber die von Harry Kupfer war halt mindestens 1000mal besser.

  • Sa., 20. Oktober 2018: BRATISLAVA/PRESZBURG (Neues Opernhaus): Giuseppe Verdi, Don Carlo

    Vorweg, bis zur ersten Pause ist es mir ähnlich wie Dir gegangen, ich habe ernsthaft mit dem Gedanken gespielt heimzufahren. Dann ab der Großinquisitor-Philippe-Szene ist es aber richtig spannend geworden: Auch wenn Mikulas + Galla über ihren Zenit hinaus sind, war es packend, und alles Folgende hat mir dann sogar ziemlich gut gefallen.


    Die "Inszenierung" ist natürlich eine Frechheit, und man fragt sich schon, wofür da geprobt worden ist und warum der "Regisseur" bezahlt worden ist. Das ist übelstes Stehtheater mit blöden Requisiten (zB der Vorhang, in den der Mönch verschwinden muss) mit einer 0-8-15-Personenführung, die ich mindestens genauso gut könnte. Dass man aus dem Stück ja auch was machen kann, hat Konwitschny bewiesen. Aber dieser Blösinn in Bratislava stellt ja weder die Konservativen noch die Modernen zufrieden. Seids drum..


    Ein Schleppen des Dirigenten habe ich nicht bemerkt, es war etwas zu laut, aber jedenfalls nicht zu langsam, finde ich. Vielleicht hat ihm ja wer gesagt, dass er Gas geben soll. Ebensowenig war eine Abwanderung des Publikums zu beobachten - der Saal war am Ende ca. so gefüllt wie am Anfang, und es war sehr voll!


    Mikulas / Philipp: Bis zur Pause war ich enttäuscht, die große Arie war deutlich besser, und ab der Großinquisitor-Szene hat er gscheid Gas gegeben, sodass ich zufrieden war. Die Stimme ist leider nimmer das, was sie einmal war (ich kenn ihn ja erst seit einem Jahr, aber auf Youtube gibts was aus früheren Tagen), aber das, was er an Stimmschönheit und Schattierungen eingebüßt hat, macht er teilweise durch Gestaltung wieder wett, auch wenn "Gestaltung" bei ihm manchmal nur heißt "unterschiedlich laut schreien". Naja. Insgesamt wars eh gut, aber ich hätte mir mehr erwartet. Vielleicht auch nur schlechte Tagesverfassung. Mal schauen, wie er am 4. Dezember (Zauberflöte) tönt, da fahre ich wieder hin.


    L. Ludha / Don Carlo: Naja. Die Stimme ist eigentlich ziemlich schön und hat gute Höhensicherheit, aber zu leise, jedenfalls für die Neue Oper Bratislava. Im alten Haus klingt er sicher super.


    Jenis / Rodrigue: Ich werd mit ihm einfach nicht warm. Ich halte ich für einen Tenor, der mit falscher Technik singt. In den Duetten mit Carlos war er fast gar nicht zu hören; wenn er allein singt, wars entweder zu leise oder gebrüllt. Es war nicht die totale Katastrophe, die man an Hand dieser Zeilen annehmen könnte, aber gut wars natürlich lange nicht. Ich hätte lieber den Capkovic gehört.


    Kohutkova / Elisabeth: sehr sehr gut! Sie ist keine Stoyanova, aber für Bratislava eine wirklich sehr gute Leistung!


    Hamarova / Eboli: sehr gut!


    Galla / Großinquisitor: Es gibt genau zwei Rollen, in denen ich den Galla noch hören will: Großinquisitor und Komtur. Heute jedenfalls war er sehr gut - genau mit dieser dunklen, gewaltigen, aber auch brüchigen Stimme will ich den Großinquisitor hören. Sehr gut!


    Belacek / Mönch: Hat alle Töne, klingt aber zu hell.


    Wirklich übel war Jozef Kundlak als königlicher Herold, das war Benedikt Kobel auf Slowakisch.


    Insgesamt bis zur Pause extrem mühsam, danach deutlich besser. Ich finde es aber schwachsinnig, den ersten Akt NICHT aufzuführen. Der gehört einfach dazu, die Geschichte wird erst mit der Fontainebleau-Geschichte verständlich. Außerdem habe ich die Oper auf Französisch VIEL lieber als auf Deutsch. Die Konwitschny-Produktion hat für mich Maßstäbe gesetzt, die sowieso kaum erreicht werden können, aber schlechter als die Bratislava-Inszenierung ist, kann es ja wirklich nimmer werden. Für mich war besonders deutlich der Kontrast zwischen tollem Musiktheater (Guillaume Tell im THADW) und fadem Stehtheater (Don Carlo).


    Ende war um 22:44, damit hätte ich noch den letzten Zug gekriegt. Ich habe aber schon eine Buskarte gehabt - die Flixbusfahrt war okay, aber ich bevorzuge doch den Zug. Finde ich bequemer, und preislich kommt es ca. auf dasselbe hinaus.


    Es tut mir leid, dass Du gestern eine schlechte Aufführung erlebt hast, aber heute wars offenbar deutlich besser. Es kommt halt immer auf die Besetzung an, und die war heute ganz anders.

  • So., 21. Oktober 2018: WIEN (Staatsoper): Hector Berlioz, Les Troyens

    Ich war auch in der 3. Aufführung, die mir deutlich besser gefallen hat. Mehrere Besucher, die in allen drei Aufführungen waren, haben mir unanhängig voneinander bestätigt, dass die 3. die bisher deutlich beste gewesen sei. Vor allem Jovanovich soll in der 2. einen sehr schlechten Eindruck hinterlassen haben, in der 3. war er wieder (das kann ich bestätigen) vollkommen wiederhergestellt und einfach super!!! Auch die anderen Sänger waren fast alle sehr gut. Bohinec braucht sich allerdings nicht verstecken, Antonacci war auch nicht viel besser. Dass die Inszenierung ca. das Gegenteil meines Geschmackes trifft, ist aber nach wie vor richtig. Aber okay, soll sein. Die Produktion kommt, vermute ich, eh nie wieder nach Wien...


    Die Trojaner sind halt kein Werk, das man sofort kapiert, da muss man sich schon hineinarbeiten. Insofern werde ich noch 2-3mal gehen.

  • Do., 25. Oktober 2018: WIEN (Staatsoper): Richard Strauss, Elektra

    Ich war gestern nochmals. Da die Elektra jahrelang meine Lieblingsoper war (bis sie von Rusalka und vom Schlauem Füchslein von diesem Platz verdrängt worden ist), habe ich seit 2011 die meisten Wiener Elektra-Aufführungen miterlebt und viele Aufnahmen gehört. Daher trau ich mir zu sagen, dass es gestern ausgezeichnet war, meine beste Elektra bis jetzt.


    Dafür waren drei Leute verantwortlich:


    • Michael Boder mit Orchester: absolut grandios, Boder ist allen enorm überschätzten "Stardirigenten" (hauptsächlich gemeint sind Thielemann und Cornelius Meister) haushoch überlegen.
    • Iris Vermillion, die eine in jeder Hinsicht phantastische Klytämnestra war. Besonders gut in der tiefen Lage, auch schauspielerisch super. Bitte öfters in Wien und an anderen ersten Häusern!!!!
    • Lise Lindstrom, die zu meiner Überraschung eine wirklich tolle Leistung gebracht hat. Lange wird es in diesem Stil zwar nicht gutgehen, aber gestern wars super (insbesondere in der hohen Lage) und für mich besser als alle anderen Elektras der letzten Jahre.

    Ansonsten hat auch niemand gestört. Orest (Pape) gut, Aegisth (Ablinger-Sperrhacke) so lala, Chrysothemis (Gabler) grade noch akzeptabel, Mägde gemischt. Benedikt Kobel als Junger Diener viel besser als sonst, diese Rolle liegt ihm.


    Ich frage mich schon, was jene, die jede auch noch mittelmäßige Aufführung bejubeln (sei es im Opernhaus, sei es durch Kritiken), dann zu dieser wirklich grandiosen Aufführung sagen, die für mich und für alle, mit denen ich seitdem gesprochen haben, ein sehr beeindruckendes Erlebnis war, wie es viele Jahre in Wien nicht zu hören war.



    Ja, ich frage mich auch, warum Waltraud Meier immer noch als Klytämnestra engagiert wird. Würde sie irgendwelche anderen (Alters-)Rollen singen, okay - zum Beispiel die Madelon in Andrea Chénier oder sowas -, aber für die Klytämnestra reichts einfach nicht.


    Vermillion singt hauptsächlich an sogenannten "zweiten" Häusern. Ich versteh nicht warum, ihre Stimme reicht locker für Wien, Berlin, Hamburg etc. Naja, vielleicht die "falschen" Agenten?


    Boder ist wirklich toll. Ich freue mich sehr, dass er wenigstens in dieser Saison häufig in Wien zu hören ist.

  • So., 28. Oktober 2018: WIEN (Staatsoper): Richard Wagner, Lohengrin

    Ich fahr grad vom Lohengrin heim, hier mein (subjektiver) Bericht:


    Andreas Schager streut Wasser auf die Mühlen derer, die im Operngesang nicht ganz unberechtigt Stimmritzenprotzerei sehen. Material hätte er ja wirklich Großartiges, aber erstens brüllt er fast alles (dass er auch anders kann, hat er ganz kurze Zeit in der Brautgemach-Szene bewiesen), und zweitens stört mich viel mehr, dass er entsetzlich ungenau ist!!! Sowohl hinsichtlich der Einsätze, als auch hinsichtlich der Notenwerte, als auch hinsichtlich des Textes. Es wirkt auf mich nach "Hauptsache, ich sing möglichst laut, das gefällt den Leuten, jedenfalls denen, die das Stück nicht kennen". NEIN, mir gefällt das nicht!

    Es gibt einen Unterschied zwischen "laut und supergut" (Seiffert) und "laut und sonst nix" (Schager).


    Elza van der Heever war eine unspektakuläre Elsa, aber auf der eher schlechten Seite, denn sie klang den ganzen Abend über scharf und unschön. Wenigstens hat sie nicht sehr gestört.


    Petra Lang als Ortrud war am besten. Sie klingt noch nicht zu ausgeschrieen, das geht schon noch.


    Evgeny Nikitin ist wahrscheinlich ein guter Sänger, nur ist seine Stimme zu klein für die Wiener Staatsoper. Außerdem zu wenig bedrohlich, zu harmlos, die Stimme ist zu hell


    Kwangchul Youn: naja, er wird auch nicht jünger. Schade, er war früher sehr viel besser.


    Clemens Unterreiner: solide, aber keinesfalls mehr. Wer wissen will, wer ein sehr guter Heerufer ist —> Markus Eiche!


    Ich schätze Simone Young sehr, aber heute ist ihr im ersten und dritten Akt teilweise die Kontrolle abhanden gekommen, da war der Chor mit dem Orchester nicht synchron. Orchester und Chor auch nicht auf der Höhe! (viele Substitute?)


    Inszenierung: gefällt mir super! Ich finde, rein szenisch ist sie die beste Neuproduktion unter Meyer (kein Wunder, da waren ja einige Flops dabei)


    Insgesamt bin ich froh, dass die heutige Aufführung aus ist - am Freitag geh ich nicht nochmals.



    Es gehört nicht zum Thema, aber apropos Berlin: Gestern (27. Okt. 2018) war ich dort und war ganz spontan in der Komischen Oper bei der Liebe zu den drei Orangen. Ich habe das Stück davor kaum gekannt, und die Aufführung hat mir super gefallen - auch die Inszenierung war super (lustig, aber nicht verblödelt)!

  • Mi., 31. Oktober 2018: WIEN (Volksoper): Giacomo Puccini: Il tabarro / Der Mantel + Gianni Schicchi

    Ich habe dafür gestern in der Volksoper eine total langweilige Aufführung von Mantel + Gianni Schicchi erlebt. Nur Martin Winkler sehr gut, der Rest mehr oder weniger unzureichend. Am schlimmsten das Orchester!! Naja, vielleicht hätte ich doch in die Staatsoper gehen sollen...



    Kann ich gerne näher ausführen:


    Ich habe in diesem Jahr die beiden Opern dreimal in Bratislava gehört und war jedesmal sehr angetan - Mantel und Suor Angelica sind dort richtig hineingefetzt, Gianni Schicchi war auch okay. Dagegen war die Volksopernaufführung aus meiner Sicht ganz weit abgeschlagen.


    Orchester: Ob wirklich alle Musiker schlecht waren, weiß ich natürlich nicht, wahrscheinlich nicht. Nichtsdestoweniger war das, was aus dem Graben gekommen ist, breeig, uninspiriert, unsauber. Kann natürlich auch am Dirigenten gelegen haben.


    Zu den Sängern:

    Daniel (Michele): hat bei weitem nicht die Gestaltungsmöglichkeiten, um diesen hochinteressanten Charakter ansatzweise rüberzubringen. Er singt das halt ganz ordentlich, aber das reicht doch nicht. Rein stimmlich klingt er besser als vor ein paar Jahren, er scheint sich erfangen zu haben. Trotzdem reichts für den Michele hinten und vorne nicht.

    Ramos (Giorgetta): hat hoffentlich einen rabenschwarzen Tag erwischt. Sonst müsste man sich ordentlich Sorgen um sie machen und sollte sie nur mehr im Altersfach einsetzen. Vor ein paar Jahren war sie noch wirklich toll!

    Schirrmacher (Luigi): naja. Die Stimme ist imposant, aber Schirrmacher singt alles genau gleich. Er war (wie immer) unfähig zu einer Ausgestaltung der Partie. Außerdem stimmlich auch nicht auf der Höhe. Er muss aufpassen, der Calaf war eine fatale Idee!!

    Winkler (Gianni Schicchi): sehr gut! "blechern" und "zum Forcieren neigend" stimmt, aber das hat mich in dieser Rolle nicht gestört.

    Nelsen (Lauretta): okay, aber nicht mehr.

    Brickner (Rinuccio): Katastrophe!!! Viel mehr kann man dazu nicht sagen als dass das ein Gesangsschüler im zweiten Jahr seiner Ausbildung besser hinkriegt. Es ist nicht das erstemal, dass Brickner völlig versagt - es ist schon traurig, wenn man daran denkt, dass vor ein paar Jahren noch Sebastian Reinthaller und Jörg Schneider genau die Rollen gesungen haben, die jetzt Brickner kriegt. Was ist da in die Direktion gefahren? Oder ist der eh alles wurscht, solang die Musicals ausverkauft sind? Diesen Eindruck bekomme ich nämlich zunehmend.


    Außerdem:

    Ich halte es für Schwachsinn, den Mantel auf Deutsch zu spielen! (Beim Gianni Schicchi geht das schon eher) Daniel ist irrtümlich einmal ganz kurz ins Italienische gefallen, ich kann ihn verstehen.

    Ich halte es ebenfalls für Schwachsinn, das Mittelstück nicht aufzuführen! Suor Angelica ist ein unterschätztes Meisterwerk, keinesfalls ein rührseliger Unsinn, wie man zunächst glauben könnte. Aber warhrscheinlich kann die Volksoper dieses Werk nicht besetzen.....


    Ich möchte die Volksoper aber nicht heruntermachen. Die Rusalka vor einem halben Jahr war super!! Die Liebe der Heliane im Februar 2017 ebenfalls! Aber diesen Mantel/Gianni Schicchi hab ich sehr mühsam gefunden. Auch die Inszenierung kann nix..

  • Do., 1. November 2018: NÜRNBERG (Staatstheater): Sergei Prokofjew, Krieg und Frieden

    Habe ich als hervorragende Produktion in Erinnerung, allerdings habe ich damals nichts dazu geschrieben, weil ich das Stück nicht kannte. Ich weiß aber noch, dass mich damals der Eindruck beschlich, es würde eventuell leicht mikrophonverstärkt gesungen werden.

  • So., 4. November 2018: WIEN (Staatsoper): Hector Berlioz, Les Troyens

    Ich war gestern auch nochmals drinnen. Musikalisch alles bestens - bis auf Jovanovich, der im 5. Akt ziemlich ausgelassen hat, und bis auf den Chor! Da war gestern ziemliches Chaos. Sonst habe ich musikalisch (fast) keine Einwände!


    Schade nur, dass dieses Werk wohl lange nicht mehr nach Wien kommen wird. Wenn man sich im Haus (Statisten etc.) umhört, gehen alle davon aus, dass es eine einmalige Sache war.

  • Sa., 10. November 2018: BERLIN (Deutsche Oper): Leoš Janáček, Věc Makropulos / Die Sache Makropulos

    Ich hab heute die Sache Makropulos in der Deutschen Oper Berlin gesehen und war sehr angetan! Sänger durch die Bank super (am besten hat mir Briscein gefallen, auch Herlitzius wirklich, wirklich gut), Inszenierung gut. Der Schwachpunkt war das Orchester, aber es war auch noch im Rahmen. Wenn das das übliche Niveau einer Berliner Repertoirevorstellung ist, ist das wirklich, wirklich hoch! Bzw viel höher als in Wien.

    Leider war der 2. Rang nur sehr schütter besetzt.


    Ja, das hat mir an der Inszenierung auch sehr gut gefallen! Zeitweise war für mich etwas verwirrend, dass deutlich mehr Leute auf der Bühne waren als notwendig, aber es hat sich im Rahmen gehalten. Schade, dass diese Produktion abgesetzt wird.

  • So., 11. November 2018: BRNO/BRÜNN (Janáček-Theater): Leoš Janáček, Káťa Kabanová

    Derzeit gibt es bis 5. Dezember das jedes zweite Jahr in Brno/Brünn stattfindende Janáček-Festival. Heuer werden ALLE Janáček-Opern (teils mehrmals) szenisch (!) aufgeführt nebst interessantem Rahmenprogramm.

    Ich war heute bei Káťa Kabanová, das ist bei mir wirklich geflasht! Sehr gute Sänger (v.a. Eva Urbanová, Pavla Vykopalová, Lenka Schallenberger), sehr gutes Orchester und ganz tolle Inszenierung (Robert Carsen) + tschechische/englische Übertitel! Das Stück ist großartig - das hab ich aber erst heute gemerkt. Die Wiener Produktion ist ja komplett zu vergessen...

    Hin- und Rückfahrt von/nach Wien funktioniert mit ÖBB/Flixbus/Regiojet sehr gut (bis 21:35 - geht sich aber meistens locker aus).

    Janáček halte ich sowieso für einen großartigen und extrem unterschätzten Komponisten.

  • Do., 15. November 2018: WIEN (Staatsoper): Antonín Dvořák, Rusalka

    Mein Rusalka-Bericht von heute:


    Meine hohen Erwartungen wurden nur teilweise erfüllt. Camilla Nylund ist eine wunderbare Rusalka, diese Rolle kommt ihren silberklingenden Sopran sehr entgegen. Insgesamt super, allerdings waren am Ende von Akt 2 und 3 einige Notenwerte knapp daneben. Jongmin Park war als Wassermann der beste Sänger des Abends, ich persönlich würde mir nur wünschen, dass er den Wassermann, der ja generell eine eher ungute Figur ist, weniger freundlich und liebevoll gestaltet; davon abgesehen aber ausgezeichnet, nur er und Bohinec haben ein gutes Tschechisch gesungen! Brandon Jovanovich war ein ziemlicher Ausfall. Ich weiß nicht, was er falsch macht, aber für mich wirkt es so, als würde er das Volumen vergrößern wollen und daher an Resonanz einbüßen, so klingt es eher nach Operngesang-Parodie. Schade, er könnte es besser. Davon abgesehen ist sein Tschechisch fürchterlich! Gibts keine Sprachcoaches?! Ein "ou" ist eben kein "u", ein "ř" ist eher ein "sch", aber sicher kein "r" etc. Eine völlig danebenliegende Aussprache ist eine Missachtung der tschechischen Sprache und dieser tschechischsprachigen Oper. Nadia Krasteva habe ich schon vier Jahre nicht mehr gehört, ich hoffe, dass ich sie die nächsten 40 Jahre nicht mehr hören werde; die Stimme ist einfach unschön, was zwar für die Fremde-Fürstin-Schreckschraube gewissermaßen passt, aber so extrem muss es dann doch nicht sein... Sehr gut Monika Bohinec als Ježibaba, auch wenn ihr die Fremde Fürstin besser liegt. Die drei Elfen waren okay. Der Dirigent (ein gewisser Elvind Gullberg Jensen) hat unglaublich geschleppt (das Lied an den Mond ist wirklich schön, aber so extrem langsam soll man es nicht dirigieren), und obwohl die Rusalka meine Lieblingsoper ist, habe ich mir im dritten Akt einmal gedacht: "Das dauert jetzt aber wirklich lang!". Das Orchester war absolut nicht auf der Höhe, da waren Unsauberkeiten zuhauf. Naja, wahrscheinlich nicht/kaum geprobt. Die Inszenierung ist zwar von Bechtolf, aber ich finde sie nicht soo schlimm, den ersten und dritten Akt finde ich gut, den zweiten misslungen. Aber lieber als eine Otto-Schenk-Prdouktion ist mirs allemal.


    Sooo schlimm war die Aufführung nicht - wenn Rusalka und Wassermann super sind, ist das ja schon die halbe Miete. Und das Stück ist einfach großartig. Jetzt muss nur noch der Jovanovich besser werden und der Dirigent weniger schleppen, dann könnte das am Montag wirklich gut werden!

  • Fr., 16. November 2018: WIEN (Staatsoper): Wolfgang Amadé Mozart, Don Giovanni

    Der Don Giovanni war eigentlich ziemlich gut! Ausgezeichnet das neue Ensemblemitglied Peter Kellner als Masetto, auch Anna, Elvira, Ottavio und Zerlina haben mir sehr gut gefallen! Adam Fischer ist als Dirigent sowieso eine sichere Bank. Allerdings hab ich wieder einmal gemerkt, dass die Wiener Staatsoper zu groß für Mozart ist. Für Wagner optimal, aber für Mozart mE zu überdimensioniert. Da verlieren sich zu viele Details.





    Werba, Markus - Don Giovanni

    Fischer, Ádám - Don Giovanni / Dirigent

    Bruns, Benjamin - Don Ottavio

    Papatanasiu, Myrtò - Donna Anna

    Bezsmertna, Olga - Donna Elvira

    Dumitrescu, Dan Paul - Il Commendatore

    Sivko, Anatoli - Leporello

    Kellner, Peter - Masetto

    Verrez, Virginie - Zerlina

  • So., 18. November 2018: BRNO/BRÜNN (Janáček-Theater): Leoš Janáček, Příhody lišky Bystroušky / Das schlaue Füchslein

    Heute habe ich in Brünn eine ausgezeichnete Aufführung des Schlauen Füchsleins erlebt (gestern war die Premiere). Jiří Heřman hat das Stück ernstgenommen und eine interessante Interpretation geliefert. Beim Beginn, der in einem Kinderheim spielt, hab ich mir gedacht "Was soll der Blödsinn?", aber bald ist mir klar geworden, dass die unterschiedlichen Handlungsebenen klug miteinander verbunden sind und Heřman das Kunststück gelungen ist, die Geschichte sowohl intelligent als auch poetisch, aber nie kitschig zu erzählen.


    Im Hintergrund befindet sich fast immer die Frau des Försters am Herd stehend oder im Fauteil strickend, der Förster setzt sich manchmal zu ihr und erinnert sich früherer Zeiten, gleichzeitig zieht es ihn aber zum Ausbruch aus dieser klassischen (langweiligen, leidenschaftslosen) Welt, in den Wald, der meiner Empfindung nach hier als fast surrealistisches Traumbild gezeichnet ist, in dem Dinge möglich sind, die sich im realen Leben nicht abspielen können. Ich denke, um die Inszenierung in ihrer Gesamtheit zu begreifen, muss man sie noch öfters sehen, was ich auch tun werde! Viele Details waren zu entdecken, zum Beispiel dass der Förster die Hochzeit zwischen Fuchs und Füchsin beobachtet und dann seine eigene vergangene Hochzeit vor Augen hat, oder dass Füchsin und Försterin eine Verbindung aufweisen (durch ein Wollknäuel) etc


    Auch in musikalischer Hinsicht war ich sehr zufrieden! Das Orchester sehr gut, die Sänger gut bis ausgezeichnet, am besten haben mir Jana Šrejma Kačírková und Svatopluk Sem als Füchsin und Förster gefallen. Welch eine Wohltat war die korrekte Aussprache und Betonung im Vergleich zu Wien!

  • Mo., 19. November 2018: WIEN (Staatsoper): Antonín Dvořák, Rusalka

    Ich war gestern nochmals in der Rusalka und hab meine Eindrücke vom 15. November weitgehend bestätigt bekommen: Krasteva war allerdings verbessert und Park ein ganz kleines bissl verschlechtert (aber nichtsdestoweniger super!).

    Mit Camilla Nylund war ich wie auch am 15. Nov. nicht zu 100% zufrieden, aber ich finde ihr Können super! Wie sie einen lauten Ton gleich danach in derselben Phrase zurücknehmen kann bis in ganz leises Piano, das trotzdem tragfähig ist, und wie sie die Bögen gestaltet - ausgezeichnet, genau das versteh ich unter gutem Operngesang! Ihr Liederabend am 17. November im Musikverein hat mir extrem gut gefallen. Leider (oder: glücklicherweise?) hat Nylund keinen "großen" Namen und keine große Publicity hinter sich.

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