Tosca NP in München am Pfingstmontag, den 20. Mai 2024

  • Giacomo Puccini: "Tosca"

    Musikalische Leitung: Andrea Battistoni

    Inszenierung: Kornél Mundruczó

    Premiere am 20. Mai 2024, 18:00 Uhr, Nationaltheater München

    BR-KLASSIK überträgt die Premiere live im Radio.


    "Mich erinnert München an Norditalien"


    https://www.br-klassik.de/aktu…ische-staatsoper-100.html


    https://www.staatsoper.de/stuecke/tosca


    Trailer:


    https://www.youtube.com/watch?v=N5PVOp3LNJs

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Ergänzend die Besetzung:

    (Quelle: Link).


    Musikalische Leitung – Andrea Battistoni

    Inszenierung – Kornél Mundruczó

    Bühne und Kostüme – Monika Pormale

    Licht – Felice Ross

    Video – Rūdolfs Baltiņš

    Chöre – Christoph Heil

    Dramaturgie – Kata Wéber, Malte Krasting


    Floria Tosca – Eleonora Buratto

    Mario Cavaradossi – Charles Castronovo

    Baron Scarpia – Ludovic Tézier

    Cesare Angelotti – Milan Siljanov

    Der Mesner – Martin Snell

    Spoletta – Tansel Akzeybek

    Sciarrone – Christian Rieger

    Ein Gefängniswärter – Paweł Horodyski

    Stimme eines Hirten – Solist(en) des Tölzer Knabenchors


    Bayerisches Staatsorchester

    Bayerischer Staatsopernchor

    Kinderchor der Bayerischen Staatsoper

    Münchner Knabenchor.

  • Danke, lieber Sadko!

    Allerdings ist die Besetzung auch in meinem "Stücke"- Link aufgeführt. Ich dachte, das reicht ;)

    Auch mit einem Photo.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Liebe Ira! Keine Sorge, natürlich reicht das! Ich wollte nur die Besetzung auch hier in diesem Thread ergänzen, weil es ja sein könnte, dass jemand (Du? :)) die Übertragung verfolgt und dann hier etwas dazu schreibt – und über die begrenzte Haltbarkeit mancher Internetlinks wissen wir alle Bescheid.

  • Alles gut!

    Ja, ich höre mir die Übertragung an. Karten habe ich erst für die Festspiele. Dann mit Jonas Kaufmann. Falls er nicht wieder absagt, wie am 7. Mai bereits zum 2. Mal den LA in der Isarphilharmonie.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Riesengroßer Jubel nach der "Tosca"-Premiere im Nationaltheater. Zumindest für die musikalische Seite. Für die Szene gab es schon Buhs nach dem 1. Akt und zu Beginn des 2. Am Schluß verhalten.

    Ich kann mich dem Jubel nur anschließen, musikalisch war es hinreißend.

    Morgen mehr.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Wenn ich schrieb, musikalisch war diese neue "Tosca" hinreißend, dann betrifft das hauptsächlich die drei Hauptprotagonisten.

    Charles Castronovo hat sich weiterentwickelt, zu einem veritablen Spinto mit heldischer Attitüde. Allerdings meistens auf der lauten Seite. Daß er auch Piano kann, merkte man beim "E lucevan le stelle", das er sehr berührend gesungen hat. Eleonora Buratto hörte ich zum ersten Mal und war äußerst angenehm überrascht. Sie verfügt über eine runde, warme Stimme, die auch an den dramatischen Stellen nie spitz oder schrill wird.

    Ludovic Tézier ist stimmlich ein idealer Scarpia, mir scheint die Stimme etwas tiefer timbriert geworden zu sein. Er war kein eindimensional widerwärtiger Scarpia, sondern verfügte auch über subtilere Töne.

    Schade war nur, daß er im Te Deum doch ziemlich unterging. Robert Braunmüller von der AZ hörte das anders, aber bei einer Radio-Übertragung kommt ja so manches anders rüber als live.

    Möglicherweise lag es auch an Andrea Battistoni, dem Dirigenten, der durchgehend ziemlich laut war, ohne besondere Akzente zu setzen. Z.B. war der Aufmarsch des Executionskommitées vollkommen verschenkt. Alles ein wenig "molto pauschale" ;)

    Daß das Publikum von der Inszenierung nicht begeistert war, konnte man bald hören, es gab schon Buhs nach dem ersten Akt.

    Als ich nun die Kritiken gelesen habe, war ich aber doch einigermaßen überrascht, daß es hauptsächlich Verrisse waren.


    Hier als Beispiel Robert Braunmüller (AZ)


    Mundruczó kann es offensichtlich nicht


    Vielleicht werde ich meine Festspielkarten (145.- €, eine versteht sich 😕) verkaufen.....

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Danke für die Schilderung! Buratto ist in der Tat eine wunderbare Sängerin. Als ich Castronovo zuletzt gehört habe, ist schon einige Zeit vergangen (es könnte 2011 gewesen sein); damals hatte auch ich keinen guten Eindruck, aber umso schöner, wenn er sich seitdem weiterentwickelt hat!

    Was ich nicht ganz verstehe: Wieso willst Du die Festspielkarten verkaufen? Wegen der Inszenierung?

  • Das war nicht wirklich ernst gemeint, ich verkaufe sie nicht. Wenn ich aber gewußt hätte, was das für eine Schrott-Inszenierung wird, hätte ich sicher keine so teuren Karten bestellt. Ich hatte nämlich nicht auf dem Radar, daß das eine NP ist, sondern dachte, es wäre noch die frühere von Luc Bondy. Die war zwar auch nicht das Gelbe vom Ei, aber immerhin war da Cavaradossi ein Maler, und nicht Pier Paolo Pasolini..... :|

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Ganz genau! Der Zeitpunkt der Handlung wurde von Puccini genau festgelegt. Es war die Nacht vom 17. auf 18. Juni 1800, drei Tage nach der Schlacht von Marengo.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Ganz genau! Der Zeitpunkt der Handlung wurde von Puccini genau festgelegt. Es war die Nacht vom 17. auf 18. Juni 1800, drei Tage nach der Schlacht von Marengo.

    Das ist doch eine Steilvorlage für das Regietheater: Drei Tage nach Waterloo, drei Tage nach Königgrätz, drei Tage nach ...

  • Das war nicht wirklich ernst gemeint, ich verkaufe sie nicht. Wenn ich aber gewußt hätte, was das für eine Schrott-Inszenierung wird, hätte ich sicher keine so teuren Karten bestellt. Ich hatte nämlich nicht auf dem Radar, daß das eine NP ist, sondern dachte, es wäre noch die frühere von Luc Bondy.

    Alles klar!


    Wenn es eine Oper gibt, die sich dagegen sträubt, sie aus dem vorgesehenen historischen (Zeit)Rahmen zu lösen, dann ist es Tosca.

    Der Zeitpunkt der Handlung wurde von Puccini genau festgelegt. Es war die Nacht vom 17. auf 18. Juni 1800, drei Tage nach der Schlacht von Marengo.

    Das sehe ich wiederum anders; die Themen, die in "Tosca" abgehandelt werden (Macht, Unterdrückung, Machtmissbrauch) sind doch so aktuell, die gab es nicht nur 1800 in Rom, sondern wohl zu jeder Zeit überall. Puccini hat das Alter der Figuren im "Mantel" auch genau festgelegt, trotzdem muss Puccini klar gewesen sein, dass das nie so umgesetzt werden wird.


    Ich kopiere aus dem italienischen Wikipedia-Artikel:


    Michele, padrone del barcone, 50 anni

    Luigi, scaricatore, 20 anni

    Il «Tinca», scaricatore, 35 anni

    Il «Talpa», scaricatore, 55 anni

    Giorgetta, moglie di Michele, 25 anni

    La Frugola, moglie del «Talpa», 50 anni.

  • Ich habe den Eindruck, dass die Schlacht von Marengo in der „Tosca“ keine größere dramaturgische Bedeutung hat als das Konzil von Konstanz, Jan Hus und Kaiser Sigismund für Halévys „Jüdin“. Der Einzug des Kaisers (Finale I) in Konstanz erfolgte am 24.12.1414, die Handlung ist also so „genau“ datiert wie die der „Tosca“.
    Durch die genaue Beschreibung der Schauplätze und durch Puccinis „naturalistische“ Art des Komponierens wurden meines Erachtens falsche Fährten gelegt, denen viele Inszenierungen gefolgt sind (Wien und Berlin nenne ich, da ich sie kenne).

  • Das sehe ich wiederum anders; die Themen, die in "Tosca" abgehandelt werden (Macht, Unterdrückung, Machtmissbrauch) sind doch so aktuell, die gab es nicht nur 1800 in Rom, sondern wohl zu jeder Zeit überall.

    Das wusste Puccini natürlich auch und dennoch hat er sich für diese konkrete Zeit und diesen konkreten Ort entschieden, so wie er sich für die Musik, die er dazu imponiert hat, 'entschieden' hat. Beides sollte man respektieren.

  • Beides sollte man respektieren.

    Da gehen die Meinungen auseinander. Ich wage ja die Hypothese, dass Puccini mit einer gut gemachten (!) Inszenierung, die das Libretto nicht wörtlich befolgt, aber dafür den Gehalt des Librettos umsetzt, zufrieden wäre. Aber wir wissen es nicht.


    Was wir allerdings wissen: Theater wird im Jahre 2024 für Personen, die 2024 leben, gemacht, und eine Aufführung der 1900 uraufgeführten "Tosca" des Jahres 2024 ist keine des Jahres 1900, sondern eine des Jahres 2024: Der Regisseur ist einfach ein Mittler zwischen dem Libretto und dem heutigen Publikum. Oder anders ausgedrückt: Er macht es überhaupt erst möglich, dass die Oper szenisch aufgeführt wird. Dass er die Angaben des Komponisten/Librettisten anders als wörtlich auslegen darf, um eine interessante Produktion zu gestalten, liegt für mich auf der Hand.


    Womit ich übrigens keinesfalls etwas gegen eine gut gemachte und in sich schlüssige "konservative" Inszenierung gesagt haben möchte: Solche gibt es ja durchaus auch noch (etwa seit 1958 an der Wiener Staatsoper).

  • Ich finde es interessant, dass sich die Diskussion über den richtigen „historischen Zeit(Rahmen)“ von Operninszenierungen immer und überall an Puccinis „Tosca“ entzündet, in der außer der Tatsache, dass die Schlacht bei Marengo am 17. Juni 1800 stattgefunden hat, historisch nix wirklich stimmt. Und ich frage mich, warum das so ist? Weil viele schon den Corso Vittorio Emanuele entlang geschlendert sind, wobei man zwangsläufig an den drei Schauplätzen vorbei kommt? Ich weiß es nicht.

    Der 3. Akt von Verdis „Maskenball“ sollte am 29. März 1792 in Stockholm spielen, Gustav III. und sein Mörder Anckarström sollten auftreten und als das aus den bekannten Zensurgründen nicht ging, wurde halt alles nach Boston verlegt. Und die Oper funktioniert genau so, weil die Historie ja in der Oper nur eine Folie ist.

    Ich habe etwas den Verdacht, dass die immer wieder heftigen Diskussionen, die die „Tosca“ auslöst, etwas mit dem „Naturalismus“ zu tun haben, den Puccini auch in seine Komposition übernommen hat. (Wir wurden in einer Lehrveranstaltung einmal darauf hingewiesen, dass die „Tosca“ die einzige Oper sei, in der das Schließen eines Fensters komponiert worden sei.)

    Ich persönlich finde diesen Naturalismus etwas platt und ziehe deshalb Verdi dem Puccini ganz klar vor. Aber das ist meine Sache: Das Publikumsvotum ist anders. Jedes Jahr gibt es an der Staatsoper drei „Tosca“-Serien. „Der Maskenball“ steht schon lange nicht mehr auf dem Programm.

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