Ludwig Minkus - Ein Großer im Schatten der Großen

  • Obwohl niemand, der sich für klassisches Ballett begeistert, an Leben und Schaffen von Ludwig Minkus vorbeikommt, ist dieser meisterliche Spezialist nie so populär geworden wie etwa ein Adam, Delibes oder Tschaikowsky, obwohl einige seiner Werke nach wie vor immer wieder aufgeführt werden. Das liegt nicht zuletzt an der teils schwierigen Quellenlage wie auch an dem Umstand, daß Minkus fast ausschließlich für das Ballett komponierte und daher nicht den Weg in die Konzertsäle der Nachwelt fand.

    Ludwig (Léon, eigentlich Aloysius) Minkus wurde 1826 in Wien geboren und reüssierte als Kapellmeister und Violinist. Als solcher brachte er es bis zum Primgeiger der Wiener Hofoper, wechselte aber schon bald darauf 1853 für viele Jahre nach Rußland, wo er mit Arthur Saint-Léon und Marius Petipa zusammenarbeitete und die Position des kaiserlichen Ballettkomponisten bekleidete. 1886 pensioniert kehrte er 1891 nach Wien zurück, wo er in beschränkten Verhältnissen von seiner russischen Pension lebte, die er aber mit Beginn des Ersten Weltkriegs verlor. Völlig verarmt starb er 1891 in Wien. Sein Grab ist zwar erhalten, blieb aber als solches unkenntlich, da man die Inschrift auf dem Grabstein änderte, um Minkus' sterbliche Überreste vor den Nazis zu schützen.

    Er ist im Ausland fast bekannter als in seiner Heimat. Seine Hauptwerke "Don Quixote" und "La Bayadère" gehören zwar zu den bedeutendsten Schöpfungen des Genres, werden aber kaum bis nie in der ursprünglichen Fassung dargeboten. Die Originalpartitur zur "Bayadère" wurde überhaupt erst 2002 entdeckt, die von "Don Quixote" muß meines Wissens überhaupt erst gefunden werden. Diese Werke werden daher meist nur in stark veränderten und bearbeiteten Fassungen auf die Bühne gebracht.

    Bei der 1877 entstandenen "Bayadère" dominieren dabei Versionen, in denen der 4.Akt völlig weggelassen wird und man mit dem Vorgängen im Schattenreich schließt. So auch in dieser Edition einer Bolschoi-Aufführung von 2013:


    "Die Bayadère" - die tragische Geschichte der indischen Tempeltänzerin Nikiya, deren Verlobter Solor vom Raja gezwungen wird, sich mit dessen Tochter Gamzatti zu verloben - lädt geradezu ein, sie mit üppigen Dekorationen auszustatten. Das ist hier durchaus gelungen, allerdings gibt es auch eine Version mit dem Kirov-Ballett, die noch spektakulärer anmutet. Was aber die Tanzkunst betrifft, so wird das Bolschoi-Ballett nicht nur mit seinen Solisten seinem Ruf mehr als gerecht. Maria Alexandrova als Gamzatti besticht durch anmutige Perfektion und profitiert in der von Yuri Grigorovich bearbeiteten Choreographie von Petipa auch davon, daß nicht sie als die indirekte Mörderin Nikiyas erscheint, sondern allein ihr Vater diese Tat veranlaßt. Die Dame hatte nach Beendigung ihrer Karriere politische Ambitionen, die wenig sympathisch anmuten, aber als Künstlerin ist sie großartig, was nicht heißt, daß die anderen Protagonisten schwächer wären. Ich weiß nicht, wieviel Zwang, Schweiß und Tränen solche Aufführungen hervorbringen, aber auf der Bühne ist das Ergebnis überwältigend, selbst wenn man sich hinterher fragt, ob man nicht mit einem schlechten Gewissen zurückbleiben müßte. Man hört ja manchmal, daß derartige Spitzenleistungen oft einige Brutalität in der Vorbereitung bedingen.

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