Johann STRAUSS (Vater) - der erste Walzerkönig

  • Die meisten Leute kennen ihn nur wegen seines Radetzkymarschs und vielleicht auch noch wegen der Loreley-Rheinklänge. Wer mehr von seinen Werken weiß, nähert sich fast schon der Spezialistenecke. Sicher haben die menschlichen Defizite des älteren Johann Strauss (1804-49) dazu beigetragen, daß sein Ruhm hinter dem seiner Söhne Johann II und Josef mehr oder weniger verblaßte (deren Bruder Eduard brachte es nur mit ganz wenigen Leistungen zu größerer Popularität). Eigentlich schade, denn Strauss Vater hat gemeinsam mit Josef Lanner, mit dem er 1823-27 gemeinsam musizierte, der Walzermusik und den sie begleitenden Gesellschaftstänzen erst so recht den Weg zur allgemeinen Verbreitung in aller Welt bereitet. Der österreichische Musikschriftsteller und Strauss-Forscher Franz Mailer (1920-2010) hat dankenswerterweise eine CD-Edition des Gesamtwerks begründet, die bei dem NAXOS-Label MARCO POLO erschienen ist. Bei unseren Werbepartnern sind noch diverse Scheiben davon im Programm.


    MARCO POLO 2003 (aufgenommen in Kaschau/Kosice 1996)


    Vol.1 dieser Reihe macht mit den Anfängen des jungen Komponisten vertraut. Schon beim ersten Werk, dem Täuberln-Walzer, op.1, (noch bei Diabelli verlegt) wird klar, warum Strauss I so schnell so durchschlagenden Erfolg hatte. Die einschmeichelnde Rhythmik und die nur scheinbar so mühelos fließende Melodik sind bereits unverkennbar, wenn auch die Instrumentalisierung in den Frühwerken noch des öfteren verbesserungswürdig scheint. Aber schon op.6, dem Wiener Launen-Walzer, möchte ich als ziemlich reifes Werk bezeichnen (hoffentlich würgen mich jetzt die Strauss-Kenner nicht deswegen).

    Der Wiener Dirigent Christian Pollack musiziert mit der Camerata Cassovia (soviel ich weiß, setzt(e?) die sich aus Mitgliedern der Slowakischen Philharmonie zusammen) recht ansprechend und macht Appetit auf weitere Teile der Gesamtedition.

  • MARCO POLO 2004


    Vol.4 enthält mehrere Nummern, in denen Musik von Auber (La muette de Portici) und Bellini (La Straniera) verwertet wird. Der "Bajaderen-Walzer" ist bewußt "auberisch" komponiert und spielt auf Aubers Oper "Brahma und die Bajadere" an, die 1832 in Wien aufgeführt wurde, sich aber nicht durchsetzte.

    In den Jahren um 1830 hat Strauß zweifelsfrei meisterliches Niveau erreicht, in den Cotillons und Galopps, aber auch etwa im Walzer "das Leben ein Tanz oder der Tanz ein Leben!". Bekannt sind auch die "Hof-Ball-Tänze".

    Ernst Märzendorfer ist der ideale Dirigent für diese Musik und die Slovak Sinfonietta Zilina (die Stadt heißt deutsch Sillein und ungarisch Zsolna) beeindruckt mich mit ihrer musikalischen Kompetenz, die keine Konkurrenz scheuen muß.

  • MARCO POLO 2004


    Hier ist wieder Christian Pollack am Pult, der sich auch die folgenden CDs mit Ernst Märzendorfer teilte. Die Kompositionen stammen aus den frühen 1830er Jahren, darunter auch Nummern, die im "Tivoli" aufgeführt wurden, über dessen "Rutschen" sich Chopin erst mokierte, bis er selbst zum begeisterten Benutzer wurde. Strauss' "Tivoli-Rutsch-Walzer" ist hier zu hören.

  • MARCO POLO 2005

    Eine besonders gelungene Zusammenstellung, die zugleich erneut dokumentiert, welch wichtige Rolle das aktuelle Opernschaffen der Zeit für die populäre Tanzmusik spielte, was umgekehrt natürlich genauso gilt. Besonders gelungen finde ich op.41, die "Fra Diavolo-Cotillons". Sehr attraktiv auch die Jäger-Polka, ein nicht gesichertes, aber sehr glaubhaft zugeschriebenes Werk.

  • MARCO POLO 2006


    Die bekannteste Nummer ist der Cachucha-Galopp, mit dem sich Strauss jener spanischen Tanz-Mode anschloß, die die berühmte Fanny Elssler 1837 in Wien auslöste.

  • MARCO POLO 2006


    Ich verehre den Komponisten ebenso wie den Arrangeur, obwohl man beides natürlich nicht trennen kann - besonders deutlich wird das etwa beim "Gitana-Galopp" (der sich auf ein von Fanny Elssler getanztes Ballett bezieht). Lanner hat sich an damals eben derselben Vorlage mit einem Galopp versucht, zog aber beim Publikum den kürzeren. Hervorzuheben sind weiters unter anderem die "Paris(er)-Polka" (trotz des Titels "on English Airs"!) und der bezaubernde "Rosa-Walzer", benannt nach der Fürstin Rosa Eszterházy. In der Wiener Stadt- und Landesbibliothek befinden sich auch einige Manuskripte, die Vater Strauss offenbar von einem Kopisten unterschoben wurden. Die mich sehr ansprechende "Militär-Quadrille" steht ihm stilistisch allerdings so nahe, daß sie wohl aus seinem engsten Kreis stammen muß.

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