Opernberichte der Saison 2023/24

  • Die Aussagen über die einzelnen Sänger lassen mich aber jetzt recht stark zweifeln.

    Bitte lass Dich / lassen Sie sich nicht von mir von einem Besuch abhalten! Was ich beschreibe, ist ja nur mein persönlicher Eindruck, und Melzer hat, wie man lesen kann, dieselbe Aufführung doch etwas anders wahrgenommen (womöglich auch durch die unterschiedliche Position im Opernhaus bedingt). Außerdem handelte es sich um die erste von vier Aufführungen; ich gehe davon aus, dass sich die Qualität im Fortgang der Serie verbessern wird (heute ist die zweite von vier Aufführungen, aber in meiner Abwesenheit).


    Hat jemand die Meistersinger in Berlin gesehen?

    Aktuell nicht, aber im April 2019 war ich dort (Bericht siehe hier). Mehrere Sänger, die damals mitsangen, leben nicht mehr (Graham Clark, Rainer Goldberg, Franz Mazura).


    Ich war Sonntag auch in der Vorstellung

    Oh, wie schön! Ich finde einen Austausch über dieselbe Aufführung immer sehr gewinnbringend!


    Die Dame in der Krinoline, die im dritten Akt über die Bühne geistert: stellt sie Sachs' verstorbene Frau vor?

    Ja, eindeutig.


    Schlecht gelöst war der Abgang Beckmesser im dritten Akt: nach seiner misslungen Vorstellung sitzt er missmutig im Bühnenvordergrund rum und weiß nichts mit sich anzufangen wie offensichtlich auch der Regisseur.

    Das finde ich allerdings auch.


    mir hat sie recht gut gefallen, gerade auch beim Quintett.

    Auch am Sonntag haben sich andere Besucher (und zwar solche, deren Meinung ich oft teile) über sie erfreulich geäußert. Ich nehme das zur Kenntnis, hatte aber einen anderen Eindruck; daher habe ich mich ja auch betont subjektiv geäußert: "ich finde ihre Stimme jedoch nach wie vor unangenehm flackernd".


    er hat die Rolle mehr bewältigt, als gesungen.

    Ja, und letztes Jahr (Dez. 2022 in der Premierenserie) fand ich Butt Philip besser als diesmal: Möglicherweise ist das einer schlechten Tagesform zuzuschreiben, oder er ist nach seinem Lohengrin noch nicht ganz in Form. Oder seine Stimme wird nicht besser, sondern schlechter, das weiß ich nicht.

    Ich würde eher hier von einem Hauptproblem das Abends reden, nämlich dem, dass das Orchester VIEL zu laut war.

    Das finde ich wiederum nicht: Auf der Galerie (Stehplatz Mitte) klang das Orchester in normaler Lautstärke: zwar nicht leise, aber auch nicht laut.


    Das Zeppenfeld stellenweise etwas leise rüberkam, ist richtig, lag aber auch einfach daran, dass er oft vom Orchester überdeckt wurde.

    Da bin ich mir nicht sicher. Ich schätze Zeppenfeld sehr, aber für die Wiener Staatsoper ist er mir immer einen Hauch zu leise vorgekommen, wobei es natürlich gut ist, dass er immer normal Stimme gibt anstatt seine Stimme vergößern zu wollen. Mir hat er trotzdem gut gefallen, er singt ja sehr kultiviert und hat sich seine Kräfte sehr gut eingeteilt (in der Schlussansprache konnte er nochmals so richtig stimmlich aufdrehen ohne Ermüdungserscheinungen). Aber natürlich: Als Pogner war er hervorragend, und ein mustergültiger Sachs ist er nicht.


    das Publikum war den ganzen Abend über sehr ruhig und konzentriert.

    Ja, das war auf der Galerie auch so, was aber auch daran liegt, dass (wie üblich in langen Opern) wenige Leute da waren. Kurz davor im "Otello" gab es viel mehr Ärgernisse und Besucher, die man ruhigstellen musste.

  • Hat jemand die Meistersinger in Berlin gesehen?

    Ich hatte Karten für sie (es geht um die Produktion von 2022 in DOB oder). Nachdem ich aber die Premierenkritik gelesen hatte, habe ich Abstand von einem Besuch genommen, zumal ich am folgenden Tag Meistersinger in Leipzig hatte.

  • Ich hatte Karten für sie (es geht um die Produktion von 2022 in DOB oder). Nachdem ich aber die Premierenkritik gelesen hatte, habe ich Abstand von einem Besuch genommen, zumal ich am folgenden Tag Meistersinger in Leipzig hatte.

    Donner geht es wohl um die "Meistersinger" in der Lindenoper. Die verunglückte DOB-Inszenierung von Wieler/Morabito/Viebrock (Missbrauch in Musikschule, angeregt durch den Fall in der Münchner Musikhochschule) haben wir in der Premierenserie gesehen. Sie wird in der nächsten Spielzeit erst wieder im April 25 gezeigt. Da würden wir auch nicht noch einmal hineingehen.

  • Donner geht es wohl um die "Meistersinger" in der Lindenoper.

    Ah okay.

    Vor denen habe ich nicht gekniffen, die habe ich Ostern 2019 gesehen, eine Inszenierung von Andrea Moses, wenn ich mich recht erinnere. In Anschluss hat Barenboim eine Rede gehalten anlässlich Franz Mazuras 95. (?!) Geburtstag am nächsten Tag. Er hatte einen der Meister gesungen.

  • Ja, die 'kleineren Meister' waren und sind da noch mit verdienten Veteranen des Gesangs besetzt. Im kommenden Dezember etwa mit Siegfried Jerusalem und Olaf Bär. Kränzle als Beckmesser und Vogt als Stolzing könnten uns locken. Wer weiß, was wir tun.

  • Im kommenden Dezember etwa mit Siegfried Jerusalem und Olaf Bär.

    Und übrigens auch mit Kurt Rydl (Hans Schwarz).

    Kränzle als Beckmesser und Vogt als Stolzing könnten uns locken.

    Mich würde übrigens am ehesten Christopher Maltman als Sachs locken, und übrigens auch Alexander Soddy am Dirigentenpult. (Aber Berlin ist weit weg von Wien).

  • [...] Vogt als Stolzing könnten uns locken.


    Mich auch. 😁

    Mich nicht! :|

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein.
    (R. Wagner, Kunst und Revolution,1849)

  • Wer könnte es?

    Gute Frage! Ich muss zunächst mal zugeben, dass ich nicht so sängerorientiert bin. Ich gebe mich auch mit mittelmäßigen Stimmen und Stimmleistungen zufrieden (obwohl ich meine, über ein hohes Urteilsvermögen, was Stimmen betrifft, zu verfügen), weil ich fast nie in die Oper gehe, um Bravourstücke zu hören, sondern die Oper als ganzes Werk im Blick, oder besser: im Ohr habe. Insofern ist es selten, dass ich wegen der Sänger in die Oper gehe, oder wegen Sängern wegbleibe. Es ist nur selten so, dass ich nicht in die Oper gehe, weil ich die Sänger zu schlecht finde, oder nicht gerne höre. Selbst in den "Tristan" und in den "Ring" mit Frau I. Theorin bin ich gegangen, obwohl ich ihre Stimmleistung wirklich seit vielen Jahre nicht mehr hochschätze, um es mal gemäßigt zu formulieren. Und auch Herr Vogt hat mich nicht davon abgehalten, bestimmte Opern und Inszenierungen zu besuchen. Umgekehrt ist es aber auch so, dass ich selten wegen eines bestimmten Sängers in die Oper gehe. Eine Ausnahme war mal, dass ich nach Darmstadt gefahren bin, um Herrn Schager zu hören (der dann kurzfristig leider nicht sang!). Also fällt mir die Frage nicht leicht, zu beantworten, welche Stolzing - Sänger mich wirklich "locken" würden. Derzeit wüsste ich ehrlich gesagt keinen. Kollo wäre früher noch so ein Sänger gewesen (vor allem als Tristan), für den ich weite Wege auf mich genommen hätte, um ihn zu hören. Seiffert habe ich gerne gehört, Jerusalem, Hofmann (eine Zeit lang) und Jung (ebenfalls nur eine Zeit lang). Aber heute muss ich Ihnen sagen, dass ich nicht wüsste, von welchem Stolzing - Interpreten ich mich locken lassen würde, wahrscheinlich von gar keinem, den ich kenne und der derzeit singt. Wenn ich auf frühere Zeiten blicke, wäre ich wahrscheinlich das eine oder andere Mal Für Wolfgang Windgassen weiter gereist, oder für die Damen Varnay, Nilsson, Silja und Mödl. Aber heute? Ich wüsste es nicht, wer mich "locken" könnte.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein.
    (R. Wagner, Kunst und Revolution,1849)

  • Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ich habe Verständnis dafür, dass man die vielleicht ein wenig spezielle Stimme von Vogt nicht mag. Mir geht es da anders. Aber das sind natürlich Geschmacksfragen. Ob ich tatsächlich seinetwegen nach Berlin führe, weiß ich aber tatsächlich nicht. Ich habe ihn ja schon sehr oft gehört, vor allem als Stolzing und Lohengrin.

  • Lieber Hagen, Ihre Ausführungen kann ich nur vollumfänglich unterschreiben!

    Ein idealer Stolzing heutzutage fällt mir nicht ein. Von allen, die Sie von früher genannt haben, waren meine beiden Lieblings-"Stolzinge" René Kollo und Peter Seiffert. Wobei Kollo darstellerisch unschlagbar war. Wenn ich nur an seine Reaktion auf "Seid Ihr frei und ehrlich geboren?" denke: Er machte einen Ausfallschritt und zückte den "Spadi"! Das habe ich nie wieder so gesehen. Peter Seiffert ist ja darstellerisch so ein bißchen auf der phlegmatischen Seite gewesen (ein Otello war er keiner!), aber ich hörte seine Edelmetall-Stimme unheimlich gerne. Und lustig bei ihm war: er hatte IMMER Texthänger und bedankte sich zum Gaudium des Publikums nach jeder Vorstellung bei der Souffleuse. ;)

    Und Siegfried Jerusalem sprang regelmäßig für Kollo ein, wenn der mal wieder unter dem Münchner Fön litt. Ein Bilderbuch-Stolzing, genau wie Peter Hofmann. Der aber wohl zu früh und zu viel Wagner gesungen hat und dadurch auch nicht lange durchhielt.

    Aber ich fahre auch nicht mehr wegen irgendwelcher Sänger durch die Gegend. Das haben wir früher gelegentlich bei Plácido Domingo gemacht und natürlich bei Robert Hale, aber da vor allem, weil wir mit ihm befreundet waren.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Na ja, wenn man in München wohnt, reisen die Sänger ja auch zu einem. ;)

    :thumbup:

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein.
    (R. Wagner, Kunst und Revolution,1849)

  • Ich habe Verständnis dafür, dass man die vielleicht ein wenig spezielle Stimme von Vogt nicht mag.

    Allerdings muss ich, der ja immer von seiner "Strohhalmstimme" gesprochen hat, unumwunden einräumen, dass er sich enorm entwickelt hat in Richtung ins Dramatische. so dass seine Stimme voller, runder, und tiefer grundiert ist. Aber er ist (z.B.) kein Jerusalem und wird es auch nicht werden, er war aber auch noch nie ein Kollo. Er ist irgendwie ein Phänomen sui generis, obwohl er mich tendentiell auch an Paul Frey erinnert, der auch sehr lyrisch und silbern war, aber eben auch nicht so dünn und klangarm, wie Herr Vogt sich anhört, oder zumindest früher angehört hat.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein.
    (R. Wagner, Kunst und Revolution,1849)

  • Na ja, wenn man in München wohnt, reisen die Sänger ja auch zu einem.

    Ich glaube, wenn ich in München wohnen würde, wäre ich relativ bald verarmt wegen des zahlreichen und qualitätsvollen Angebots an Kunst, Musik, Bier, Haxn und Fußball (diese Saison mal ausgenommen).

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein.
    (R. Wagner, Kunst und Revolution,1849)

  • Na ja, wenn man in München wohnt, reisen die Sänger ja auch zu einem. ;)

    Hmm, das ist leider auch nicht mehr ganz so, seitdem Nikolaus Bachler nicht mehr Intendant ist.

    Ich glaube, wenn ich in München wohnen würde, wäre ich relativ bald verarmt wegen des zahlreichen und qualitätsvollen Angebots an Kunst, Musik, Bier, Haxn und Fußball (diese Saison mal ausgenommen).

    Na ja, der Fußball juckt mich weniger, an der Hax'n hat man sich auch bald abgegessen, aber alles andere stimmt schon! Allem voran natürlich das einzige Bier, das noch in München gebraut wird, das Augustiner. Und davon natürlich der Edelstoff, versteht sich! :P

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Na ja, der Fußball juckt mich weniger, an der Hax'n hat man sich auch bald abgegessen, aber alles andere stimmt schon! Allem voran natürlich das einzige Bier, das noch in München gebraut wird, das Augustiner. Und davon natürlich der Edelstoff, versteht sich! :P

    Ist Hofbräu nicht mehr in Riem?

  • Genau das habe ich auch überlegt, früher ist man - von Nürnberg kommend - daran vorbeigefahren.

    Aber ich habe vor einiger Zeit gelesen, daß das Augustiner mittlerweile das einzige echt Münchner Bier ist.

    "Ko sei, ko sei a ned" ;)

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

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