Opernberichte der Saison 2023/24

  • Wir sehen und hören den Wiesbadener Ring auch und können das Gesagte unterschreiben.

    In der "Walküre" gab es etliche Schwächen im Orchester, die im "Siegfried" nach dem Dirigentenwechsel nicht mehr zu hören waren. Holger Reinhardt dirigiert auch heute die GD.


    Bei den Sängern ist noch hervorzuheben der sängerisch und darstellerisch hervorragende Alberich von Thomas de Vries.


    Und ein nur zufriedenstellender Wotan (der in "Rheingold" und "Walküre" oft vom Orchester zugedeckt wurde) und eine dann doch wirklich arg schrille Brünnhilde sind für einen "Ring" schon etwas wenig.


    Trotzdem schauen wir heute, wie das in der GD wird, obwohl auch wir, wie wohl viele, wegen Klaus Florian Vogt angereist sind.

  • Simon Bailey gab einen zufriedend stellenden Wanderer, wenn er auch zuweilen Probleme hatte, sich gegen das laute Orchester durchzusetzen.

    Simon Bailey hatten wir in Erl als Wotan/Wanderer. Da war er ausgezeichnet, hatte da allerdings natürlich das Problem nicht mit dem Orchester.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • "Siegfried", Staatstheater Wiesbaden, 30.03.24

    Vielen Dank, lieber Melzer, für die Rezension. Besonders interessant fand ich das Herr Vinke noch so gut bei Stimme ist. Vielleicht war es doch besser, dass er den Siegfried gesungen hat. Wegduck!

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein.
    (R. Wagner, Kunst und Revolution,1849)

  • In der "Walküre" gab es etliche Schwächen im Orchester,

    Eine Frage dazu mal an Sie, lieber Melzer, da Sie die Wiesbadener ja öfter hören. Wenn ich mich recht erinnere, waren sie unter Siegfried Köhler mal ein richtig gutes Orchester. Und hatten sie nicht Ende der 1980er Jahre auch mal einen richtig guten Ring "in den Graben" gebracht? Ist es wahr, dass sie nun seit einiger Zeit in einer etwas niedrigeren Liga spielen?

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein.
    (R. Wagner, Kunst und Revolution,1849)

  • Vielleicht war es doch besser, dass er den Siegfried gesungen hat.

    Nein, denn ich hätte Vogt gerne einmal in dieser Rolle gehört, ganz unabhängig davon, wie es denn gewesen wäre.

    Eine Frage dazu mal an Sie, lieber Melzer, da Sie die Wiesbadener ja öfter hören. Wenn ich mich recht erinnere, waren sie unter Siegfried Köhler mal ein richtig gutes Orchester. Und hatten sie nicht Ende der 1980er Jahre auch mal einen richtig guten Ring "in den Graben" gebracht? Ist es wahr, dass sie nun seit einiger Zeit in einer etwas niedrigeren Liga spielen?

    Ich habe zu Beginn der 90er Jahr mal einen Ring in Wiesbaden gesehen, aber ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wie es war.

    Ich war in der letzten Zeit nicht mehr sehr oft hier in der Oper, das letzte mal zu Beginn des letzten Jahres in 'Rusalka', das habe ich in guter Erinnerung.


    Meine Erfahrung über die letzte Jahre ist, dass das Orchester Qualitätsschwankungen hat. Es kann sehr gut sein, manchmal aber schiebt man einfach nur Dienst. Ich denke, dass das im Grunde bei vielen Opernhäuser dieser Größe so ähnlich sein dürfte. Es hängt natürlich auch davon ab, wer gerade am Pult steht.

    Ich würde nicht sagen, dass es dieser Tage generell auf niedrigerem Niveau spielt als früher, der Siegfried war - zu mindest rein technisch - sehr gut. Die ersten beiden Aktanfänge im Siegfried sind ja für das Orchester recht heikel, im ersten Akt etwa für die Fagotte, im zweiten für die Tuba, und das haben die ziemlich gut hinbekommen. Und der Hornruf im zweiten Akt gelang dem Hornisten wenn auch nicht perfekt, aber besser als dem armen Tropf in Bayreuth letztes Jahr, der dies Stelle in der dritten Aufführung ziemlich in den Sand gesetzt hatte. Im dritten Akt gab es dann ein paar nicht ganz saubere Stellen, aber keine wirklichen Patzer.

  • Es scheint so, dass unter Siegfried Köhler und Ulf Schirmer das Orchester seine Höhepunkte hatte.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein.
    (R. Wagner, Kunst und Revolution,1849)

  • Da würde ich eher Klemperer und Sawallisch vermuten.

    Sie haben recht. Ich müsste also genauer formulieren:


    Es scheint so, dass unter Siegfried Köhler und Ulf Schirmer das Orchester seine letzten Höhepunkte hatte.

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    Umfasste das griechische Kunstwerk den Geist einer schönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den Geist der freien Menschheit über alle Schranken der Nationalitäten hinaus umfassen; das nationale Wesen in ihm darf nur ein Schmuck, ein Reiz individueller Mannigfaltigkeit, nicht eine hemmende Schranke sein.
    (R. Wagner, Kunst und Revolution,1849)

  • Parsifal in der Wiener Staatsoper am 01.04.2024


    Ich möchte heute ganz kurz und oberflächlich meinen Eindruck der gestrigen 2. Vorstellung der Serie abgeben.


    Regie von Serebrennikov immer noch furchtbar, wird auch beim 3.Mal sehen nicht besser.


    Alle, wirklich alle Sänger_innen waren großartig.


    Elina Garanca als Kundry einfach perfekt, Daniel Frank (Parsifal) sehr solide (hab ihn schon wesentlich schlechter gehört), Günther Groissböck hervorragend als Gurnemanz, Michael Nagy ein höchst schlüssiger Amfortas, Wolfgang Bankl als Titurel aus dem off immer noch eine Wucht, Werner van Mechelen ein perfekter, fieser Klingsor.

    Ted Black, Stephanie Houtzel, Alma Neuhaus und Norbert Ernst hoch solide Knappen.

    Besonders möchte ich die Leistung der 6 Blumenmädchen hervorheben:

    Maria Nazarova, Ileana Tonka, Miriam Kutrowatz, Anna Bondarenko, Jenni Hietala und Stephanie Maitland, waren nicht nur für die Ohren sondern auch schauspielerisch ein Genuss. Sehr gut auch Katleho Mokhabane und Jusung Park als Gralsritter.


    Der Staatsopernchor lief zu Höchstleistung auf.


    Die besondere Überraschung für mich war Alexander Soddy am Pult. Ich hatte das Gefühl, Soddy hat noch nie etwas anderes dirigiert als Wagner.

    Dieses Klangbild des Staatsopernorchesters, seine Herausarbeitung der großen Linien...ich verneige mich mit höchster Ehrfurcht!


    Ein wirklich gelungener (musikalischer) Abend, der nicht einmal von der furchtbaren Regie zerstört werden konnte.

  • Regie von Serebrennikov immer noch furchtbar, wird auch beim 3.Mal sehen nicht besser.

    Das erinnert mich an folgenden Witz:


    "Ein Schweizer und ein Österreicher sitzen im Kino nebeneinander.
    Kurz vor der Pause erscheint ein Kaktus auf der Leinwand und weit
    hinten sieht man einen Cowboy sich nähern. Dann geht das Licht an.
    Der Schweizer sagt zum Österreicher: "Was wettest Du, der Cowboy
    reitet in den Kaktus?" Der Österreicher antwortet: "Das glaube ich nicht.
    So dumm ist dieser Cowboy nicht." Die beiden verabreden, dass sie nach der
    Vorstellung eine Flasche Wein trinken gehen und dass der Verlierer der
    Wette bezahlt. Nach der Pause zeigt sich, dass der Schweizer die
    Wette gewinnt. So geniessen die beiden nach der Vorstellung eine Flasche
    Wein in einem nahegelegenen Restaurant. Kurz bevor es ans Bezahlen geht,
    gesteht der Schweizer: "Ich muss Dir gestehen, dass die Wette nicht fair war.
    Ich habe den Film bereits zum zweiten Mal gesehen." Darauf antwortet der Österreicher:
    "Ja, und ich zum fünften Mal. Aber ich hätte nie gedacht, dass dieser Dummkopf

    noch einmal in den Kaktus reitet."

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Nix für ungut, lieber Reinhard, es war nur so, daß mir der Witz spontan einfiel. Ja, klar ist er alt, aber sehr schön ;)

    Diese Inszenierung ist völlig daneben, kein Stein bleibt auf dem anderen.

    Möglicherweise wäre ich wegen der Sänger evtl. nochmal reingegangen, aber bestimmt kein 3. Mal. Dazu sind mir Inszenierungen - gerade bei Wagner! - viel zu wichtig. Ja, Hörerplatz ist ein Ausweg, dann kann man wenigstens die Musik genießen, und wird nicht ständig auf ärgerliche Weise abgelenkt.

    Oder eine konzertante Aufführung.


    Viele Grüße!

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor W. Adorno)

  • Vinke hatte ich zuletzt vor 9 Jahren in Bayreuth als Siegfried gehört, und damals hatte er mir ganz gut gefallen. Da das aber nun schon geraume Zeit her war, war ich etwas skeptisch, aber die Stimme klang immer noch frisch, und zeigte bis zum Ende der Vorstellung eigentlich keine Ermüdungserscheinungen. Auch die leiseren Stellen im zweiten und dritten Akt gelangen im durchaus überzeugend.

    Schön. dass Stefan Vinke kurzfristig eingesprungen und dass er noch gut bei Stimme ist! Ich hörte ihn in Wien 2016 (ebenfalls einspringend) in Wien als Lohengrin (und dan 2017 in Wien als "Götterdämmerungs"-Siegfried) und fand ihn sehr gut.

    Aber natürlich verstehe ich auch die Enttäuschung, wenn man eigens eines bestimmten Sängers wegen angereist ist und der dann absagen muss.

  • Regie von Serebrennikov

    Was ich mich ja frage: Werden die aufwendigen Videos für jede Serie, in der ein anderer Parsifal als in der Premiere singt, nachgedreht?


    (Zur aktuellen Serie kann ich nichts sagen, weil ich sie wegen Groissböck auslasse; dabei würde mich Garanča als Kundry sehr interessieren!)

  • Am Sonntag gab es in Frankfurt offenbar eine ziemlich krasse Geschichte. Es gab Zemlinskys „Traumgörge“, und der Titelheld wurde krank. Daraufhin übernahm der Regieassistent das Spiel, und von der Seite sang - nicht etwa ein eilends herbeigeholter Tenor, sondern einer der Dirigenten, und zwar vom Blatt!

    Ein solches Erlebnis hatte ich am 25. Februar 2019 an der Wiener Volksoper:

    Der Sänger des Robbins (Alexander Pinderak) konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht singen, weswegen der Dirigent Joseph R. Olefirowicz während (!) des Dirigierens auch die Partie des Robbins übernahm. Olefirowicz ist mir als Dirigent lieber als als Sänger, aber natürlich bin ich sehr froh über seine Bereitschaft, die Rolle zu übernehmen.

    Allerdings ist der Robbins in "Porgy and Bess" natürlich eine kleinere Rolle als die Titelrolle in dieser Zemlinsky-Rarität! (die ich mir übrigens gerne anhören würde; leider terminlich ungünstig).

  • Sie haben recht. Ich müsste also genauer formulieren:


    Es scheint so, dass unter Siegfried Köhler und Ulf Schirmer das Orchester seine letzten Höhepunkte hatte.

    Das Wiesbadener Orchester war und ist wechselhaft in seinen Leistungen. In der Zeit von Köhler gab es da auch schlimme Abende, die an eine schlechte Kurkapelle erinnerten. Inzwischen sind viele neue Mitglieder im Orchester, sodass es heute wesentlich besser spielen kann. Meistens gelingen die Premierenabende gut, weil zuvor intensiver probiert wurde. Aber auch dann kann es üble Schmisse geben, wie bei der Premiere des "Lohengrin". Und natürlich ist es schon ein Wagnis den "Ring", wie in den letzten Tagen, ohne Orchesterproben zu spielen.

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